Baden-WürttembergWarum ein Atommüllendlager im Schwarzwald weiter möglich ist

Zuletzt wurden noch insgesamt vier Gebiete im Südwesten auf ihre Eignung als Standort für ein Atommüll-Endlager geprüft. Nun sind es nur noch zwei: beide im Schwarzwald. Wonach wird entschieden?
Stuttgart/Peine (dpa/lsw) - Die Suche nach einem Endlager für rund 27.000 Kubikmeter hoch radioaktiven Atommüll ist einen Schritt weiter: In Baden-Württemberg werden zwei Gebiete künftig nicht mehr in der Auswahl berücksichtigt, zwei Gebiete im Schwarzwald werden weiter geprüft. Das geht aus dem neuen Arbeitsstand der zuständigen Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hervor. Bundesweit kommen nur noch etwa fünf Prozent der Fläche Deutschlands für ein Endlager infrage.
Sowohl der Raum Ulm als auch ein Gebiet im Raum Heidelberg sind den Angaben zufolge in der Bewertung in die sogenannte Kategorie B ("geeignet") gerutscht und damit nicht mehr in der Auswahl für einen potenziellen Endlager-Standort, da sie nicht zu den am besten geeigneten gehören.
Damit kommen künftig nur noch zwei Gebiete in Baden-Württemberg in Betracht: eines im nördlichen und eines im südlichen Schwarzwald. Diese Gebiete können bei der weiteren Untersuchung noch der sogenannten Kategorie A ("beste Eignung") zugeordnet und damit in die finale Auswahl möglicher Standorte aufgenommen werden. Der Rest des Bundeslandes wurde bereits im Vorhinein aus der Auswahl für einen Standort ausgeschlossen.
Wie wurde bei den einzelnen Regionen entschieden? Ein Überblick.
Nördlicher und südlicher Schwarzwald
Bei zwei Gebieten in Baden-Württemberg hat sich die Bewertung bezüglich der Eignung als Standort für ein Atommüll-Endlager im Vergleich zum letzten Arbeitsstand der BGE nicht verändert. Sowohl ein Gebiet im südlichen als auch eines im nördlichen Schwarzwald sind weiterhin in der Auswahl. In beiden Regionen war insbesondere das für einen Endlager-Standort geeignete unterirdische Kristallingestein (eine Art von Granit) ausschlaggebend für die Auswahl, da dieses besonders stabil ist – eine der wichtigsten Eigenschaften für einen sicheren Standort.
Konkret erstreckt sich das nördliche der beiden Gebiete zwischen Lautenbach (Ortenaukreis) südlich, Höfen an der Enz (Landkreis Calw) nördlich, sowie Bühlertal (Landkreis Rastatt) westlich und Enzklösterle (Landkreis Calw) östlich.
Das zweite Gebiet liegt südlich zwischen dem nördlichen Teil von Schönwald (Schwarzwald-Baar-Kreis) und nördlich etwa an der Grenze zwischen dem Landkreis Freudenstadt und dem Landkreis Rottweil. Zu den zwei Gebieten werden zudem noch mindestens drei weitere nahegelegene kleinere Flächen gezählt.
Raum Ulm mit Gebieten auf der Schwäbischen Alb
Vor Veröffentlichung des neuen Arbeitsstands der BGE war auch der Raum Ulm mit Gebieten auf der Schwäbischen Alb in der Auswahl. In dieser Region war insbesondere der dortige Opalinuston – eine Tongesteinsart – ausschlaggebend. Für Tongestein spricht unter anderem, dass dieser besonders wasserundurchlässig ist. Eine geringe Durchlässigkeit von Wasser ist wichtig, damit der Transport von sogenannten Radionukliden - eine radioaktive Atomsorte - gebremst wird.
Bei der weiteren Bewertung hat sich den Angaben der Bundesgesellschaft herausgestellt, dass das Tongestein im Raum Ulm im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland zu geringe Mächtigkeiten aufweist, hieß es. Das bedeutet, dass die Gesteinsschicht etwa nicht dick genug ist. Denn: Je dicker eine Gesteinsschicht, desto sicherer wäre hier ein Atommüll-Endlager.
Außerdem werden in dem Gebiet den Angaben zufolge sogenannte Sand- und Silt-Einschaltungen sowie ein Grundwasserleiter direkt über dem Wirtsgestein vermutet, die die Eignung als sicheren Endlager-Standort verringern, hieß es. Als Sand- und Silt-Einschaltungen wird das Vorkommen von dünneren Schichten oder Einlagerungen aus Sand und Slit (auch Schluff genannt) innerhalb etwa von Tongestein bezeichnet.
Raum Heidelberg
Die zweite Region, die mit dem neuen Arbeitsstand der Bundesgesellschaft aus der Auswahl der Gebiete gefallen ist, ist ein Gebiet in der Kurpfalz bei Heidelberg. Dieses Gebiet liegt in einer Region, in der, wie im Schwarzwald, das unterirdische Kristallingestein entscheidend war.
Da das Gebiet in der weiteren Untersuchung jedoch im Vergleich zu anderen weniger sicher für ein Endlager sei, ist es aus der Auswahl ausgeschieden. Konkret vermutet die Bundesgesellschaft "lokale Störungen", also Verschiebungen im Gestein – sowie eine "hohe räumliche Variabilität der Gesteine" – beides Eigenschaften, die gegen den Bau eines Endlagers vor Ort sprechen.
Wie geht es jetzt weiter?
Die jetzt neu veröffentlichten Arbeitsstände sind noch keine verbindlichen Ergebnisse, weil die Einengung der Teilgebiete auf Standortregionen erst Ende 2027 erfolgt. Erst dann will die BGE dem Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) Standortregionen für die oberirdische Erkundung vorschlagen. Die finale Entscheidung über diese zu erkundenden Standortregionen trifft am Ende der Gesetzgeber.
Bis spätestens 2050 soll ein Lager für rund 27.000 Kubikmeter hoch radioaktiven Atommüll gefunden werden, der in mehr als 60 Jahren Atomkraft-Nutzung angefallen ist. Der Standort soll Sicherheit für eine Million Jahre bieten. Derzeit lagert deutscher Atommüll in sechzehn oberirdischen Zwischenlagern in verschiedenen Bundesländern. Die letzten deutschen Atomkraftwerke gingen im April 2023 außer Betrieb.