SachsenSachsen hat viele Tausend Jobs verloren

Die übliche Herbstbelebung hat für mehr Beschäftigung in Sachsen gesorgt. Doch der Ausblick bleibt verhalten.
Chemnitz (dpa/sn) - Die im Herbst übliche Belebung am Arbeitsmarkt hat wieder mehr Menschen in Arbeit gebracht. Doch auf längere Sicht hat Sachsen viele Tausend Jobs verloren. Auch in den kommenden Monaten rechnet die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit nicht mit einer Wende. "Zu viel erhoffe ich mir von der Herbstbelebung nicht", sagte ihr Chef Klaus-Peter Hansen zur Vorstellung der aktuellen Zahlen. Er rechne vielmehr mit einer "Seitwärtsbewegung" samt Anstieg der Arbeitslosenzahl zum Jahreswechsel.
Im September immerhin ging die Arbeitslosigkeit zurück. Zuletzt waren rund 153.600 Menschen in Sachsen arbeitslos gemeldet. Das waren nach Angaben der Regionaldirektion fast 3.600 weniger als im August - ein Minus von 2,3 Prozent. Die Arbeitslosenquote sank von 7,3 auf 7,1 Prozent. In allen Regionen ist demnach die Zahl der Arbeitslosen zurückgegangen, am stärksten in den Landkreisen Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Mittelsachsen und Zwickau. Der Vergleich zum Vorjahr zeigt allerdings: Im September 2025 waren noch rund 5.600 Menschen weniger arbeitslos als jetzt.
Wirtschaftliche Lage bleibt angespannt
Nach der Urlaubszeit stellen Unternehmen für gewöhnlich wieder verstärkt ein. So hätten rund 10.000 Menschen eine neue Beschäftigung aufgenommen - so viele wie in keinem September seit 2017, erklärte Hansen. Zudem haben viele Jugendliche eine Ausbildung begonnen. "Gleichzeitig bleibt die wirtschaftliche Lage angespannt: Trotz der positiven saisonalen Effekte mussten sich im vergangenen Monat wieder viele Menschen neu arbeitslos melden."
Insgesamt hat Sachsen zuletzt viele Jobs eingebüßt. Neuen Hochrechnungen zufolge ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von Juni auf Juli um 7.700 gesunken. Binnen eines Jahres steht sogar ein Minus von rund 19.200 Jobs zu Buche. Allein 10.000 waren es im Verarbeitenden Gewerbe, weitere 4.600 im Handel. Es gebe derzeit nur wenige Branchen, die Beschäftigung aufbauen, erläuterte Hansen.
DGB appelliert: Abwärtsspirale stoppen
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnte vor einem weiteren Jobabbau in Sachsen. Es brauche Investitionen in die Wirtschaft und die Unterstützung der Beschäftigten, um die Abwärtsspirale zu stoppen und wieder Schwung in den Arbeitsmarkt zu bringen, betonte DGB-Landesvize Ralf Hron.
Zugleich rief er die Unternehmen auf, ältere Beschäftigte möglichst lange zu halten. Sie seien hoch qualifiziert und wichtige Kompetenzträger in den Unternehmen. "Auch bei Neueinstellungen sollte weniger auf das Alter und mehr auf die Kompetenzen der Arbeitssuchenden geschaut werden."
Ähnlich äußerte sich die Regionaldirektion mit Blick auf den Internationalen Tag der älteren Menschen am 1. Oktober. Angesichts des demografischen Wandels würden ältere Beschäftigte immer wichtiger für den Arbeitsmarkt. Wer in höherem Alter arbeitslos werde, habe es jedoch häufig schwerer, wieder neu Arbeit zu finden. Gut jeder vierte Arbeitslose (26 Prozent) sei aktuell 55 Jahre und älter, hieß es.
Mit dem Rückgang der Arbeitslosigkeit im September liegt Sachsen im Bundestrend. In Deutschland sank die Zahl der Arbeitslosen mit 2,994 Millionen wieder unter die Drei-Millionen-Grenze. Die Arbeitslosenquote wurde mit 6,4 Prozent angegeben. Stichtag für die aktuelle Statistik war der 14. September.