Niedersachsen & BremenNiedersachsen will Zukunftstechnologien gezielter fördern

Junge Firmen sollen leichter wachsen, Forschungsergebnisse schneller Arbeitsplätze schaffen. Dafür will das Land Förderung bündeln und Hürden abbauen. Wie viel Geld bereitsteht, bleibt zunächst offen.
Hannover (dpa/lni) - Niedersachsen will seine Innovationsförderung stärker auf Zukunftstechnologien konzentrieren und jungen Unternehmen den Zugang zu Kapital erleichtern. Grundlage ist ein Zukunftsplan des unabhängigen Innovationsrates, den Ministerpräsident Olaf Lies und Wissenschaftsminister Falko Mohrs (beide SPD) vorstellten. Das Ziel sei, Forschungsergebnisse schneller in erfolgreiche Unternehmen und Arbeitsplätze zu überführen und das Land bis 2035 international wettbewerbsfähiger zu machen. Wirtschaftsverbände forderten eine rasche Umsetzung. "Das Problem ist, dass viele junge Unternehmen kein Kapital finden, um groß zu werden", sagte der-Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Niedersachsen, Benedikt Hüppe.
Lies betonte: "Wir müssen uns auf unsere Stärken konzentrieren." Das bedeute auch, auf andere Vorhaben zu verzichten. Konkrete Projekte, die künftig nicht mehr unterstützt werden sollen, nannte er zunächst nicht. "Ich würde jetzt nicht gleich heute was streichen wollen", sagte der Regierungschef.
Mehr Geld für das Wachstum junger Firmen
Ein zentraler Baustein soll eine sogenannte Scaleup-Plattform werden. Sie soll öffentliche Mittel und privates Kapital zusammenbringen, damit junge Firmen nach ihrer Gründung wachsen können. Lies will verhindern, dass aussichtsreiche Entwicklungen das Land verlassen, weil Unternehmen anderswo bessere Möglichkeiten der Finanzierung finden. Wie viel Geld für die Plattform bereitstehen soll, blieb offen. Die Ausgestaltung sei noch in Arbeit, sagte der 59-Jährige.
Der Vorsitzende des Innovationsrates und Vorstand der Volkswagenstiftung, Georg Schütte, warb dafür, Fördermittel zu bündeln und die Plattform privat zu organisieren. So solle sie das Vertrauen privater Investoren gewinnen. "Wenn es ein Staatsunternehmen wird, dann gewinnen wir keine privaten Investoren", sagte Schütte.
Die Förderung soll sich stärker auf Technologien wie Künstliche Intelligenz und Robotik, Biotechnologie, Quantentechnologien sowie Energie und Kreislaufwirtschaft ausrichten. Der Rat empfiehlt regionale Verbünde, in denen Unternehmen, Forschung und Start-ups zusammenarbeiten. Lies sieht etwa die Chance, dass sich Betriebe aus der Auto- und Zulieferindustrie künftig auch der Herstellung menschenähnlicher Roboter widmen.
Hochschulgründungen sollen leichter werden
Mohrs schilderte Hindernisse, die junge Unternehmen bislang ausbremsen: Ein Start-up könne zunächst etwa einen Reinraum einer Universität nutzen, verliere diesen Zugang aber, wenn es aus der Hochschule herauswachse. Eine eigene Anlage koste mehrere Millionen Euro – eine Investition, die kleine Firmen oft nicht leisten könnten.
"Potenzial verschenken können wir uns nicht leisten", sagte der Minister. Die geplante Änderung des Hochschulgesetzes soll solche Übergänge erleichtern. Hochschulen sollen sich nach seinen Angaben auch an Start-ups beteiligen können. Für wissenschaftliche Beschäftigte und Professoren sollen Freiräume entstehen, um eigene Geschäftsideen umzusetzen.
Zugleich sollen Hochschulen mehr Entscheidungsfreiheit bekommen, etwa bei Studiengängen. Der Innovationsrat empfiehlt außerdem eine bessere Arbeitsteilung zwischen den Standorten, einfachere Verfahren und stärkere Bildung in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.
Lies übernimmt Koordination
Die Umsetzung soll ein Gremium unter Vorsitz von Lies koordinieren, das die Arbeit der Ministerien abstimmt. Die Federführung bei der Staatskanzlei habe das Kabinett am Dienstag beschlossen, sagte Mohrs. Der Rat hat für seine Empfehlungen Verantwortliche, Zeitvorgaben und Maßstäbe für den Erfolg benannt.