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Rheinland-Pfalz & SaarlandDarum verunglücken so viele junge Fahrer mit E-Scootern

28.10.2026, 04:03 Uhr
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Vier Tote und deutlich mehr Verletzte: E-Scooter-Unfälle nehmen in Rheinland-Pfalz zu. Besonders oft trifft es junge Fahrer. Warum das so ist.

Alzey/Bad Ems (dpa/lrs) - Ein 15-Jähriger stirbt vor wenigen Tagen in Alzey nach einem Unfall mit seinem E-Scooter. Im September kommt ein 23 Jahre alter E-Scooter-Fahrer im Kreis Germersheim ums Leben, als er mit einem Auto kollidiert. Mit diesen zwei tödlich Verunglückten erhöht sich die Zahl der Todesopfer bei Unfällen mit elektrischen Tretrollern in Rheinland-Pfalz in diesem Jahr bislang auf vier - eine traurige Rekordzahl.

2025 und 2021 kam jeweils ein Mensch, der mit einem E-Scooter in einen Unfall verwickelt war, ums Leben, teilt das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz in Bad Ems mit. 2022, 2023 und 2024 gab es keine Todesopfer.

Auch die Zahl der Verletzten nimmt zu: Mit 350 Verletzten von Januar bis Juni dieses Jahres stieg sie im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 um mehr als 54 Prozent. Ende Juli standen dann insgesamt 436 Verunglückte in der Statistik, wie das Landesamt auf Anfrage mitteilt.

Warum steigen die Zahlen?

Das liegt nach Einschätzung von Experten daran, dass E-Scooter immer mehr genutzt werden und deren Verbreitung wächst. Damit steigt laut ADAC auch die Zahl der Stürze und Kollisionen. Was bei den Unfällen auffällt: Oft sind junge Menschen involviert. E-Scooter sind seit 2019 in Deutschland zugelassen.

"Die überwiegende Nutzergruppe in Städten oder auch auf dem Land ist tatsächlich ab 14 Jahren", sagt Verkehrsexperte Christian Schmidt vom ADAC Mittelrhein. Dass der E-Roller "als niederschwelliger Einstieg in die Mobilität" bei jungen Menschen so beliebt ist, kann er gut verstehen.

"Das ist das erste Mobilitätsmittel, wo man nicht auf Mama, Papa, Busfahrer oder Straßenbahnfahrer angewiesen ist und wo man sich noch nicht mal groß anstrengen muss." Man könne eigenständig unterwegs sein. "Und das superkostengünstig."

Problematisch sei aber, dass viele Jugendliche die Regeln im Straßenverkehr nicht kennen, sagt Schmidt. Denn es brauche keine Ausbildung oder Einweisung, um mit dem Elektrokleinstfahrzeug zu fahren.

"Diese ganz einfachen oder wichtigen Dinge, Regeln, Ratschläge, Tipps, die kommen halt nicht. Und das ist vielleicht die Gefahr, die man hat." Und zugleich sei es auch so, dass man somit "sorglos" sei.

"Man geht zu einem Einzelhändler, kauft sich so ein Gerät, bekommt mit Glück noch ein Versicherungskennzeichen verkauft und dann kann man losfahren."

Bundesweit war mehr als die Hälfte der verunglückten Fahrerinnen und Fahrer jünger als 25 Jahre. Bei den 6- bis 18-Jährigen stieg die Zahl der Unfallopfer gegenüber 2024 um rund 75 Prozent.

In Rheinland-Pfalz sind diesem Monat zwei weibliche Jugendliche auf einem E-Scooter in Nieder-Olm mit einem Auto zusammengestoßen und schwer verletzt worden. In Koblenz kam ein Zwölfjähriger in eine Klinik.

Was sollte jeder E-Scooter-Fahrer wissen?

Das Polizeipräsidium Mainz hat Mitte September im Rahmen der Aktionswoche "Roadpol Safety Days" ein Plakat mit den wichtigsten Regeln verfasst. Diese lauten:

  • E-Scooter dürfen maximal 20 km/h schnell fahren.

  • Man muss mindestens 14 Jahre alt sein, um einen E-Scooter fahren zu dürfen.

  • Man darf auf Radwegen und Radfahrstreifen fahren. Wenn diese fehlen, ist die Fahrbahn zu nutzen. Gehwege sind tabu!

  • E-Scooter sind nur für eine Person bestimmt. Eine weitere Person mitzunehmen, ist verboten.

  • Während der Fahrt darf kein Handy genutzt werden.

  • Nur bei guter Sicht und Beleuchtung fahren.

  • Fahren unter Alkohol- und Drogeneinfluss ist verboten.

Verkehrsexperte Schmidt ergänzt: Es werde empfohlen, beim Fahren einen Helm zu tragen. Zudem solle man immer die Beleuchtung einschalten, damit man von anderen Verkehrsteilnehmern gesehen werde.

Medizinische Studien zeigten, dass bei E-Scooter-Unfällen vor allem Kopf und Gesicht sowie Arme und Beine verletzt werden. "Im klinischen Alltag reicht das Spektrum von Bagatellverletzungen bis zu schweren Polytraumen", berichtete David Latz, Oberarzt an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Düsseldorf und Mitglied im ADAC Ärztekollegium.

"Häufig haben die Unfallverletzten keinen Helm getragen." Hindernisse wie Bordsteine oder Unebenheiten auf der Fahrbahn könnten das Vorderrad eines E-Scooters abrupt abbremsen und den Fahrer dabei nach vorn schleudern.

Wird bei jungen Menschen die Gefahr unterschätzt?

Das lasse sich pauschal nicht sagen. Aber es sei schon so, dass viele den E-Scooter eher als eine Art Spielzeug betrachteten, sagt Schmidt. "Er wirkt für manchen eher niedlich."

Umso wichtiger sei es, für Unfallrisiken zu sensibilisieren. Der ADAC Mittelrhein gehe dafür mit dem Workshop "Respekt Leute 2.0!" an Schulen. Dabei gehe es auch darum zu vermitteln, dass verschiedene Verkehrsteilnehmer aufeinander Rücksicht nehmen sollten.

E-Scooter-Fahrer würden im Verkehrsraum oft negativ betrachtet, sagt Schmidt. "Weil der E-Scooter mit diesem Stigma behaftet ist: junger Mensch, der Unsinn im Kopf hat. Es mag sein, dass dies auf manche zutrifft, aber definitiv nicht auf alle."

Was kann man ändern?

Das Wichtigste sei Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung: Entscheidend sei es, das Thema an Schulen zu behandeln, sagt Schmidt. Das Thema Verkehrssicherheit müsse gestärkt werden. Auch die Landesverkehrswacht bietet Trainings an. Und auch die Eltern sieht der Experte in der Pflicht.

Sinnvoll könnte eine Art Befähigungsnachweis sein, den man vorlegen müsse, wenn man einen E-Scooter kaufe. Dieser könne etwa erteilt werden, wenn man eine Schulung online über die Basics gemacht habe - oder nachdem man einen Flyer intensiv studiert habe, sagt er.

Quelle: dpa

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