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BayernEhrenamtlich Trauerfeiern leiten – und Trauernde begleiten

28.10.2026, 04:03 Uhr
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(Foto: Kathrin Zeilmann/dpa)

"Trauer hat keine Uhr und keinen Fahrplan", sagt Petra Neubauer. Die Erzieherin sich weitergebildet, um Trauerfeiern zu leiten – doch sie sieht ihre Aufgabe viel umfassender.

Ahorntal (dpa/lby) - Petra Neubauer sitzt an ihrem Esstisch, eine Kerze brennt, Bücher liegen bereit - Gesangbücher, die Lutherbibel, die Einheitsübersetzung, aber auch die Bibel auf Fränkisch. Dazu ein Ordner voller handgeschriebener Blätter. "Aber die meisten Geschichten habe ich hier drin", sagt sie und zeigt auf ihr Herz. Petra Neubauer aus dem Ahorntal (Landkreis Bayreuth), 54 Jahre alt und im Hauptberuf Erzieherin, hat sich im Erzbistum Bamberg zu einer der ersten ehrenamtlichen Leiterinnen von Trauerfeiern ausbilden lassen.

In dem Pilotprojekt geht es darum, dass Ehrenamtliche Trauerfeiern leiten können, um hauptamtliche Mitarbeitende der Kirche zu entlasten und zu unterstützen, wie das Erzbistum informiert. Acht Teilnehmende haben das ausführliche Schulungsprogramm absolviert.

Tod und Vergänglichkeit im November

Vor allem in größeren Städten werden Ehrenamtliche entsprechend eingeteilt, um Trauerfeiern zu leiten. Neubauer lebt in einer ländlichen Region - hier beerdigt noch meist der Pfarrer. Dennoch stehe sie bereit, wenn sie angefragt werde, sagt sie. Und überhaupt - die Gespräche mit Trauernden, Besuche bei Kranken, um ihnen die Kommunion zu bringen: Für all das profitiere sie "unglaublich" von der Ausbildung.

Gerade bereitet sie einen Wortgottesdienst für den Allerseelen-Tag vor. Allerheiligen am 1. November wird in der katholischen Kirche traditionell mit der Segnung der Gräber gefeiert. An Allerseelen am Tag darauf gedenkt die Kirche aller Verstorbenen. Der November steht in der christlichen Tradition im Zeichen von Tod und Vergänglichkeit, es folgen noch der Volkstrauertag und der evangelische Ewigkeitssonntag.

Petra Neubauer leitet schon seit Jahren Wort-Gottes-Feiern in ihrer Pfarrei. Sie erzähle dabei gern Geschichten, "ich liebe das", sagt sie. Das sei schon in ihrer Kindheit so gewesen, als ihre Oma ihr immer Geschichten erzählt habe. Aber auch Liedtexte - sei es von Sarah Connor, den Toten Hosen oder Johannes Oerding - böten viel Inspiration für die Gottesdienste. Manchmal greift sie auch Texte aus Poetry-Slams auf.

An Allerseelen soll es in ihrem Gottesdienst darum gehen, wie Menschen mit Trauer umgehen: "Ein Verlust verändert die gesamte innere Welt. Trauer hat keine Uhr und keinen Fahrplan." Den Umgang der Kirche mit Trauernden will sie keinesfalls auf die Organisation und Durchführung eines Begräbnisses reduzieren. "Trauerarbeit ist so, so wichtig."

Bitte keine Floskeln!

Und sie weiß auch: Floskeln können meist mehr verletzen als helfen. Melde dich, wenn du etwas brauchst, die Zeit heilt alle Wunden, man wird darüber hinwegkommen - all das helfe keinem Trauernden. "Man muss die Gefühle zulassen, auch die Wut, das ist wichtig." In dem Kurs sei es auch um Theologie rund um Tod, Sterben und Trauer gegangen. Hier habe Neubauer direkt profitiert. In einem Gespräch habe sie einer älteren Frau die Angst vor dem Sterben und dem Fegefeuer nehmen können. "Schon alleine dafür hat sich der Kurs gelohnt", sagt sie.

Es ist ein emotionales Thema und eines, das Fingerspitzengefühl und eine große Verantwortung erfordert. Nach Angaben des Erzbistums war der Ausbildungskurs deshalb sehr ausführlich, es ging um liturgische und rechtliche Grundlagen, um Trauerpsychologie, um praktische Übungen. Bei der Beauftragungsfeier betonte Erzbischof Herwig Gössl, der Dienst am Grab sei ein besonders sensibler Moment kirchlichen Handelns.

Wer sich dafür ausbilden lasse, schenke den Trauernden Zeit, Nähe und Hoffnung - und leiste "einen unschätzbaren Beitrag für unsere Seelsorge". Der Ausbildungsleiter, Nürnbergs Stadtdekan Andreas Lurz, sagte, die Absolventen treten ihren Dienst "aus einer tiefen inneren Überzeugung heraus" an und seien eine Bereicherung für die Seelsorge vor Ort.

Würzburg bietet Schulungen schon seit 2017 an

In den anderen bayerischen Bistümern wird das Thema unterschiedlich gehandhabt. Eichstätt etwa setzt weiterhin vor allem auf Priester und Diakone und bei Bedarf auf Pastoral- und Gemeindereferenten.

Im Bistum Augsburg können seit März 2024 hauptberufliche pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beauftragt werden, Begräbnisfeiern zu leiten, wie Domvikar Ulrich Müller erläutert: "Eine solche Beauftragung setzt eine pastorale Notwendigkeit voraus, beispielsweise aufgrund einer hohen Zahl von Beerdigungen oder des Alters oder Gesundheitszustands des Pfarrers." Für ehrenamtliche Leitungen sehe man derzeit keine pastorale Notwendigkeit.

Das Bistum Würzburg hat 2017 nach Worten eines Sprechers mit dem ersten Ausbildungskurs für die ehrenamtliche Leitung von Trauerfeiern begonnen. Mittlerweile finde jährlich ein Kurs mit zehn bis zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Die Gründe für den Einsatz von Ehrenamtlichen in diesem Bereich seien vielfältig: "Zum einen geht es darum, eine seelsorgliche Einheit von Sterbebegleitung und Abschied herzustellen mit Ehrenamtlichen, die sich im Bereich der Sterbe- und Trauerbegleitung bereits eine hohe Sensibilität erworben haben. Zunehmend spielt auch der Personalmangel in der hauptberuflichen Seelsorge eine Rolle."

Und wie hält es die evangelische Landeskirche? Grundsätzlich seien Pfarrerinnen und Pfarrer entsprechend ausgebildet und beauftragt, erläutert eine Sprecherin. Unter bestimmten Umständen könnten auch Diakoninnen und Diakone sowie Religionspädagogen und -pädagoginnen Bestattungen leiten. Voraussetzungen seien unter anderem eine Weiterbildung und ein Dienstauftrag.

Quelle: dpa

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