Niedersachsen & BremenMord wegen eines Familienstreits? 32-Jähriger vor Gericht

Zwei Männer sollen sich um eine Hantel gestritten haben, später eskaliert der Konflikt zwischen Mitgliedern zweier Großfamilien. Es fallen tödliche Schüsse - mit fatalen Folgen für einen Passanten.
Verden (dpa/lni) - Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen hat ein Prozess wegen Mordes und versuchten Mordes vor dem Landgericht Verden begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem angeklagten 32-Jährigen vor, im Mai einen 37-Jährigen von hinten mit mehreren Schüssen getötet zu haben. Mit der Tat habe der Mann seine Ehre wiederherstellen wollen, sagte die Staatsanwältin bei Verlesung der Anklage. Ein Spaziergänger, der zufällig am Tatort war, erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Laut Anklage wird der Mann beatmet und kann nur noch die Arme bewegen.
Hintergrund der Tat ist nach Erkenntnissen der Ermittler ein Streit zwischen Mitgliedern von zwei Großfamilien. Der Angeklagte mit deutscher und syrischer Staatsangehörigkeit und der Getötete kannten sich demnach durch einen Streit um eine Hantel in einem Fitnessstudio. Vor der Tat hatte es den Angaben zufolge körperliche Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern der beiden Familien gegeben.
Die Verhandlung ist nicht in den Räumen des Landgerichts, sondern in der früheren Reithalle, die für den Prozess gegen die Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette zum Gerichtssaal umgebaut wurde. Seit dem Urteil Ende Mai ist das zum Hochsicherheitstrakt umgebaute Gelände eines früheren Reithofs unbenutzt. In dem Gerichtssaal sitzt das Publikum hinter einer Sicherheitsscheibe. Alle, die in den Verhandlungssaal wollten, wurden umfassend kontrolliert.
Rund 60 Menschen nahmen im Zuschauerraum Platz, dazu kamen Journalisten und Journalistinnen. Wegen der strikten Kontrollen begann die Verhandlung rund eineinhalb Stunden später als geplant. Für den Prozess hat das Gericht Termine bis Ende Januar festgelegt.