HessenSchock, aber auch viel Dankbarkeit nach Bagger-Attacke

Ein Nachbar rammt mit einem Bagger die Fassade ihres Hauses – Nicole G. und ihre drei Kinder müssen barfuß und im Schlafanzug fliehen. Was der Familie jetzt Halt gibt.
Mörlenbach (dpa/lhe) - Nicole G. und ihre Kinder sind geschockt, aber auch dankbar für die Welle der Unterstützung. Nachdem ein Nachbar mit einem Bagger Teile ihrer Hausfassade im südhessischen Mörlenbach zum Einsturz gebracht hat, reißt die Hilfe nicht ab. Durch ein Loch in der Wand kann man der 46-Jährigen zufolge von außen in das Esszimmer und die Küche schauen. "Ich darf gar nicht rein", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Wann das gehen wird, ist unklar. "Es gibt noch nichts Konkretes."
Versicherung prüft Fall noch mal
Nach einem Gutachter müsse jetzt noch ein Statiker kommen. "Das ist ein einmaliger Fall, das ist für alle eine Herausforderung", sagte Nicole G. Zumindest bewege sich die Versicherung. Am Anfang habe es geheißen, gegen Vandalismus sei sie nicht versichert. "Die Versicherung prüft jetzt doch noch mal."
Bei Mutter in drei Zimmern untergekommen
Die 46-Jährige lebt jetzt nach eigenen Angaben mit ihren 7 und 14 Jahre alten Töchtern und ihrem 11 Jahre alten Sohn auf einem "Matratzenlager" in drei kleinen Zimmern bei ihrer Mutter. Da habe man sich einrichten können."Da werden wir vorerst die nächsten Wochen oder Monate bleiben." Man müsse ja auch schauen, ob der Nachbar wiederkommt.
Am Sonntag vergangener Woche soll der 44 Jahre alte Mann die Baggerschaufel in die Wand gerammt haben. Bereits vor dem Vorfall gab es der Polizei zufolge zwischen dem Mann und der Familie Auseinandersetzungen. Hintergrund der Tat könnte demnach eine psychische Erkrankung des 44-Jährigen sein. Er war an dem Sonntag in eine Fachklinik gebracht worden. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand.
Barfuß im Schlafanzug ins Freie
Nach den Worten der 46-Jährige habe der Mann am Freitag vor dem Vorfall bereits am Haus gestanden, Fotos gemacht und sie angeschrien. Er habe ihr vorgeworfen: "Sie richten Schallwaffen auf mich." Nach einem schriftlichen Betretungsverbot auf Anraten der Polizei sei er dann am Sonntag mit dem Bagger gekommen. Sie habe ihn aufgefordert zu verschwinden. "Dann sind wir alle raus, ich im Bademantel, die Kinder barfuß mit Schlafanzug", sagte sie. "Wenn es nicht so tragisch wäre, das ist irre." Einzig ihre Handtasche habe sie noch greifen können.
Traumabewältigung soll helfen
"Natürlich wollen alle nach Hause", beschreibt Nicole G. die Situation mit ihren Kindern. "Die sind im Schockzustand. Die Kleine fragt immer wieder, warum hat der nicht aufgehört." Die Große habe einen Tag nach der Bagger-Attacke auch noch Geburtstag gehabt. Die Familie will jetzt eine Traumabewältigung machen. Sie habe bereits Kontakt mit jemandem aufgenommen, sagte die 46-Jährige.
Zehntausende auf Spendenkonto eingegangen
Überwältigt seien alle zusammen von der Welle der Hilfsbereitschaft in Mörlenbach. Eine Freundin hat Nicole G. zufolge ein Spendenkonto eingerichtet. Dort seien bereits mehr als 88.000 Euro eingegangen. Ihr sei ein Architekt vermittelt worden. Von Bekannten habe es Kleiderspenden gegeben.
"Wir haben das Nötigste", sagte die 46-Jährige. "Der Zusammenhalt ist unglaublich." Sie sei überwältigt. Es werde gerade auch ein Benefizkonzert organisiert. Wenn sie abends den Kindern sage, wer sich alles gemeldet habe, würden die nur sagen: "So viele Freunde haben wir."