Baden-WürttembergMannheimer Titelsehnsucht: Adler nehmen nächsten Anlauf

Die Adler Mannheim wollen zurück auf den DEL-Thron. Internationale Ergebnisse, Neuzugänge und Kniffe abseits des Eises machen Hoffnung. Tom Kühnhackl verspürt auch persönlich einen besonderen Antrieb.
Mannheim (dpa/lsw) - Der ehemalige NHL-Profi Tom Kühnhackl kommt bester Laune aus der Trainingshalle, setzt sich an einen kleinen Tisch und nimmt erst mal einen großen Schluck aus seiner Wasserflasche. Das sei schon "ein echtes Schmankerl", sagt der Routinier der Adler Mannheim voller Vorfreude über das erste Saisonspiel in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) am Freitagabend beim EHC Red Bull München. "Das ganze Wochenende ist gleich mal ein absoluter Härtetest." Denn am Sonntag ist ja noch Meister Eisbären Berlin zu Gast.
Für die Adler geht's also gleich in die Vollen. Angeführt von Kapitän Marc Michaelis, aber auch vom erfahrenen Kühnhackl, nehmen sie den nächsten Anlauf auf ihren ersten Titel seit 2019. Selten waren sie seitdem so nah dran an der Meistertrophäe wie in der vergangenen Saison, als sie sich erst in der Finalserie den langjährigen Dominatoren aus Berlin beugen mussten.
Lob für die Neuen - und Kniffe neben dem Eis
Gibt's in dieser Spielzeit die Wachablösung? Das Gros der DEL-Trainer sieht die Mannheimer vorn. Die zieren sich etwas, wenn es um die Rolle des Topfavoriten geht. Zumindest zum Kreis der Titelanwärter zählen sie sich aber durchaus - auch wegen spannender neuer Spieler im ohnehin qualitativ breiten Kader.
Brooks Macek etwa wisse "genau, wo das Tor steht", sagt Michaelis der Deutschen Presse-Agentur. Und Patrick Brown sei "ein unglaublich wichtiger Zwei-Wege-Mittelstürmer, der defensiv sehr stabil ist und die Dinger reinmachen oder auflegen kann". Vorn, so Michaelis, habe man also "zwei super Neuzugänge, die wirklich viel Spaß machen".
Drei Siege aus den ersten vier Partien der Champions Hockey League sprechen für eine starke Frühform der Adler. Hat sich an der Vorbereitung unter Trainer Dallas Eakins in den zurückliegenden drei Sommern etwas verändert?
"Auf dem Eis war sie relativ ähnlich, da verlangt der Coach einem eh immer viel ab", berichtet der 31-jährige Michaelis. "Abseits des Eises ging es auch darum, sich in puncto Ernährung oder Regeneration noch mal ein Stück zu verbessern und die allerletzten zwei, drei Prozent rauszukratzen."
Meisterschaft in Mannheim immer das Ziel
Die Sehnsucht der Mannheimer nach der Meisterschaft, sie werde manchmal "mehr von außen hereingetragen", sagt Michaelis. Was nicht heißen soll, dass die Spieler nicht genauso danach lechzen wie die Fans des Traditionsclubs. Der Druck sei hier aber grundsätzlich hoch, gibt der Nationalspieler zu verstehen.
"Bei uns und an unserem Mindset hat sich die letzten Jahre nicht viel verändert", sagt Michaelis. "Wir wollen etwas schaffen, um jedes Jahr um die Meisterschaft zu spielen. Es geht uns immer darum, dass wir bis zum Ende dabei sind." Das ist bei ihm als gebürtigem Mannheimer nicht anders als bei dem schon mit zwei Stanley-Cup-Erfolgen dekorierten Kühnhackl.
Kühnhackl will Karriere weiter vergolden
Vier Finalserien hat der 34-Jährige in seiner Karriere schon gespielt. 2016 und 2017 triumphierte er mit den Pittsburgh Penguins in der nordamerikanischen Profiliga NHL, 2023 wurde er mit Skellefteå AIK Vizemeister in Schweden - und vorige Saison schrammte er mit den Adlern nur knapp am DEL-Pokal vorbei.
Er sei stolz auf das, was er bisher erreicht habe, sagt Kühnhackl. "Aber natürlich: Man spielt jede Saison, weil man gewinnen will. Ich werde nicht mehr jünger. Da schaut man schon, dass man noch so viel wie möglich aus der Karriere herausholt und eventuell am Ende auch noch mal ganz oben steht."
Persönlich habe er im Sommer daran gearbeitet, dass er sich in den Bereichen Kraft und Ausdauer noch mal verbessere, erklärt Kühnhackl, der schon wegen seiner Erfahrung eine tragende Rolle im Team einnimmt. "Ich schaue, dass ich der Mannschaft helfe - auf dem Eis, in der Kabine oder im Bus. Ich will als gutes Beispiel vorangehen", sagt er. Und sei es auch ganz abseits der Halle.
"Ich liebe das", sagt Kühnhackl über die Eishockey-Euphorie in Mannheim. "Wenn du beim Bäcker angesprochen und übers Wochenende ausgefragt wirst, das ist schon geil." Sollte der knackige Auftakt gelingen, vermutlich erst recht.