HessenKohfeldts Erlösung: "Lilien" feiern Sieg der Einigkeit

Fußball-Zweitligist SV Darmstadt 98 erzwingt gegen Arminia Bielefeld mit großem Willen den ersten Saisonsieg. Trainer Kohfeldt und seine Spieler spüren den Rückhalt der Fans.
Darmstadt (dpa/lhe) - Florian Kohfeldt sprintete quer über den Rasen und ließ seinen Gefühlen freien Lauf. Nachdem der 2:1 (1:0)-Sieg des Fußball-Zweitligisten SV Darmstadt gegen Arminia Bielefeld am Freitagabend feststand, schrie der "Lilien"-Trainer die Freude und Erleichterung über den ersten Saisonsieg seines Teams mit geballten Fäusten heraus.
Der 43-Jährige herzte seinen am Boden liegenden Torwart Marcel Schuhen und bei der Ehrenrunde kurz darauf fachte er die Begeisterung der Fans auf den Rängen mit motivierenden Gesten an. Solche Ausbrüche sind eher selten bei Kohfeldt. "Aber das war ein Moment, in dem ich mal loslassen konnte", erklärte er später.
Untypische Vorbereitung Kohfeldts
Die Tore von Ho-jae Lee (3. Minute) und Milan Smit (86./Handelfmeter) nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Marius Wörl (59.) hatten den zuvor in vier Partien sieglosen Südhessen endlich das dringend nötige Erfolgserlebnis beschert. Kohfeldt hatte dafür, wie er sagte, etwas für ihn "Untypisches" gemacht: "Ich habe anderes als fußballtaktische Dinge in den Fokus gestellt, ohne diese komplett zu vergessen." Es sei während der Woche besonders um Einigkeit und Gemeinschaft gegangen.
Die Fans, die die Spieler nach dem ernüchternden 0:3 eine Woche zuvor in Kaiserslautern noch weggeschickt hatten, leisteten dabei ihren Beitrag. "Sie sind zum Abschlusstraining gekommen, haben Lieder mit uns gesungen, haben Gas gegeben", erzählte Noah Weißhaupt. "Sie haben uns Energie gegeben, und wir haben ihnen heute ein gutes Geschenk dafür gemacht." Auch nach dem Ausgleich sei "wenig Negativität im Stadion zu spüren gewesen", ergänzte Schuhen.
Rückkehrer Richter als Motivator
Zur Taktik zählte dabei, dass Kohfeldt auf zwei lange Mittelstürmer setzte und den erst während der Woche nach Darmstadt zurückgekehrten Marco Richter in die Startformation stellte. Das sei schon "eine ganz schöne Zockerei gewesen", gab der Coach zu. Aber Richter habe "vom ersten Moment an allen anderen das Gefühl gegeben: Leute, beruhigt euch, das kriegen wir hin. Er hat als Typ, als Charakter sofort das gebracht, was wir uns von ihm erhoffen."
Überbewerten wollten die Lilien den ersten Erfolg "nach einer Ewigkeit", wie Schuhen es ausdrückte, nicht. "Es ist noch überhaupt nichts geschafft", sagte Kohfeldt. "Wir haben ein Spiel gewonnen. Da sollten schon noch ein paar folgen." Aber der vorjährige Aufstiegskandidat habe diesen Sieg gebraucht, "um in die Saison zu kommen".
Da konnte er es auch verkraften, dass sein Team kurz vor Ende einen Überzahlangriff kläglich vergab. Der daraus folgende Konter der Gäste blieb aber folgenlos. Wäre das passiert, so Kohfeldt, "wäre ich direkt ins Auto gegangen" und heimgefahren. Doch so konnte er feiern.