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Deutsche versinken in SorgenEin Hape Klopp als Bundeskanzler, das wär's

27.10.2026, 19:22 Uhr imageEin Kommentar von Volker Petersen
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Es kann durchaus auch wieder aufwärts gehen - Raketenstart des bayerischen Unternehmens Isar Aerospace. (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Eine Umfrage für das Trendbarometer von RTL und ntv zeigt, wie viele Sorgen sich die Deutschen machen, durch die Bank und allumfassend. Das erklärt den Erfolg einer Partei und ist ein Auftrag für die Bundesregierung.

Manchmal kommt jemand in ein Zimmer und merkt sofort, uff, hier ist aber schlechte Stimmung. So fühlen sich womöglich manche Besucher, wenn sie nach Deutschland kommen. Das alte Geschäftsmodell, Sicherheit aus den USA, Energie aus Russland, Absatzmarkt in China, liegt in Trümmern. Ebenfalls in Trümmern liegt bei manchen das Selbstbewusstsein. Der Stolz auf "Made in Germany", das Gefühl "wer" zu sein, der Zusammenhalt. Wie soll es bloß weitergehen?

Eine neue Forsa-Umfrage zeigt, dass sich die Deutschen quer durch die Bank Sorgen machen. Über steigende Preise, über die Krankenversicherung, über die Rente, über Steuern, über Arbeitsplätze, selbst über die Regierung. Und diese Sorgen sind sicher nicht unbegründet. Überall scheinen Milliardenlöcher zu klaffen, die Wirtschaft wächst nur dank Rekordschulden und das auch nur auf Sparflamme. Der Frieden ist in Gefahr, die Lebensgrundlagen und der Wohlstand ebenso. Künstliche Intelligenz ist womöglich zu schlau für uns.

Das hat Folgen. Mehr und mehr Menschen hängen an den Lippen der Untergangsprophetin Alice Weidel. Für die Deutschland nichts als ein Sanierungsfall ist, das den Bach runtergeht. Der nichts einfällt, wenn sie mal Dinge benennen soll, die in Deutschland gut laufen. Mit ihren Social-Media-Clips befeuert sie die schlechte Stimmung. Jeder Missstand, jedes Problem wird zum Indiz für die große Erzählung hergenommen, dass es abwärts geht. Schuld sind die Ausländer, Muslime, Merkel, die Grünen, immer die anderen.

Kein Problem wird durch Leugnen gelöst

Was Weidel anbietet, ist so verlockend: Sich vertrauensvoll Wladimir Putin andienen, dann wird alles gut. Dann gibt es Frieden, dann fließt wieder Gas. Die Ukraine? "Was geht die uns an?", fragt sie. Nein, Putin will uns nichts Böses, ganz sicher nicht, säuselt sie. Den Klimawandel solle man nicht bekämpfen, erneuerbare Energien, alles Quatsch! Wenn nur erst die Ausländer weg sind, dann komme ein altes Deutschland zurück. Es ist die Methode Trump. Sündenböcke suchen, Probleme leugnen, das Blaue vom Himmel versprechen.

Es fühlt sich sicher gut an, schwungvoll alle Probleme vom Tisch zu wischen. Aber es ist wie ein Drogenrausch. Nach dem Hochgefühl wird alles nur noch schlimmer. Kein Problem wird durch Leugnen gelöst.

Doch Probleme gibt es genug. Es wäre verrückt, wenn sich die Menschen in Deutschland nicht Sorgen machen würden. Sorgen aber begleiten uns rund um die Uhr, sie lasten auf den Schultern. Wenn dann eine Politikerin rund um die Uhr über diese Sorgen redet, dann hat sie einen Vorteil: Sie spricht über das, was die Menschen wirklich beschäftigt. Und die Schuld liegt immer woanders.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat es zu oft anders herum gemacht. Vom ersten Jahr seiner Amtszeit ist vor allem hängen geblieben, dass er den Deutschen Vorhaltungen über Work-Life-Balance und Krankfeierei machte und ihnen den Acht-Stunden-Tag wegnehmen wollte. Die Message: Uns geht es schlecht, weil ihr zu faul seid. Das in dieser Merz-typischen Von-oben-herab-Form zu tun, ist tödlich.

Merz versucht es jetzt anders

In den vergangenen Wochen hat er seinen Ton geändert. Er versucht nun, eine Vision anzubieten, redet viel von Deutschland im Jahr 2040 und zeichnet das Bild eines gerechten, fleißigen Landes, das funktioniert. Damit formuliert er ein Ziel, auf das man hinarbeiten kann. Zugleich wird er nicht müde, zu erzählen, was alles gut läuft im Land. Wie viele Startups gegründet werden, wie viele Hightech-Unternehmen es gibt, allen voran Isar Aerospace. Nur ist die Frage, wer ihm noch zuhören mag.

Doch versucht er jetzt das, was ein Bundeskanzler heute mehr denn je können muss: Zuversicht verbreiten, Zutrauen schaffen. Doch das gelingt nicht vielen, Merz jedenfalls bislang nicht, Olaf Scholz vor ihm ebenfalls nicht. Sicher geht es nicht mit den immer gleichen Phrasen über "Menschen, die jeden Tag aufstehen und den Laden am Laufen halten", "deren Sorgen und Nöte man ernst nehmen muss" oder Politiker, "die ihre Hausaufgaben machen" sollen. Ein neuer Ton, eine neue Haltung muss her.

Ein bisschen mehr Jürgen Klopp, ein bisschen mehr Hape Kerkeling vielleicht. Klopp steht dafür, ganze Städte, ganze Regionen mitzureißen, ohne jemanden auszugrenzen. Kerkeling für einen Humor, der ohne Herabsetzungen, Häme und Gehässigkeit auskommt, sondern alle gemeinsam lachen lässt. Das ist eine Gabe, das kann man nur schwer lernen. Und natürlich sind Fußballtrainer und Entertainer nicht gleich die besseren Politiker. Aber es geht darum, dem Abwinken, der Verachtung, der Schwarzseherei ein bisschen Licht, Optimismus und Aufbruch entgegenzusetzen.

Woanders gibt es auch Probleme

Das wiederum ist gar nicht so schwer. Mitnichten ist alles so schlecht, wie es die Untergangspropheten behaupten. Deutschland hat noch immer Potenzial. Wäre es eine Aktie, müsste man sie kaufen. Oder hätte jemand lieber das britische Gesundheitssystem? Die französischen Staatsfinanzen? Nur zwei Wochen Urlaub wie die meisten US-Amerikaner? Oder eine verlorene Zukunft wie Russland? Die Dauerüberwachung Chinas?

Sorgen machen sich die Menschen durchaus zu Recht. Aber es ist jetzt die Aufgabe der Politik, das Licht am Ende des Tunnels zu zeigen und das Land dorthin zu führen. Weg von denen, die keifen, es werde alles nur noch schlimmer. Vielleicht gelingt Merz es noch, die richtige Ansprache zu finden. Oder vielleicht jemand anderem. Aber der Bedarf ist jedenfalls da.

Quelle: ntv.de

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