Politik

Richtungsentscheidung im OstenAlle Daten zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

07.09.2026, 12:17 Uhr
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Heißer Herbst in Sachsen-Anhalt: Wie geht es nach der Landtagswahl weiter? (Foto: picture alliance / Renate Krafft/Shotshop)

Lange Wahlnacht in Sachsen-Anhalt: Die AfD legt bei der Landtagswahl kräftig zu und gewinnt mit großem Vorsprung vor der CDU. Kann die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Partei künftig den Ministerpräsidenten stellen? Alle Daten zum Wahlausgang im Überblick.

Sachsen-Anhalt hat gewählt, die Auszählung der Stimmen zog sich bis tief in die Nacht: Die AfD hat bei der Landtagswahl laut vorläufigem amtlichen Wahlergebnis 43,8 Prozent der Stimmen erreicht - 23 Prozentpunkte mehr als vor fünf Jahren.

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund kann sich auf breiten Rückhalt in der Bevölkerung berufen: In Sachsen-Anhalt steigen die Rechten unter seiner Führung zur mit Abstand stärksten Kraft auf. Für die absolute Mehrheit im Landtag reicht das Wahlergebnis der AfD allerdings nicht. Die CDU mit dem amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze muss herbe Einbußen hinnehmen. Wie sehen die letzten Hochrechnungen zum Wahlausgang im Detail aus?

Hinweis: Die Daten und Infografiken zur Landtagswahl 2026 werden am Wahlabend laufend aktualisiert.

Im künftigen, neunten Landtag seit der Wende sind neben AfD und CDU auch SPD, Grüne, die Linkspartei und das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) vertreten. Die Sozialdemokraten erzielten im Vergleich zur zurückliegenden Wahl von 2021 leichte Zuwächse und liegen bei 9,3 Prozent. Die Grünen können laut vorläufigem Auszählungsergebnis 8,9 Prozent verbuchen, ein Plus von 3 Prozentpunkten. Die Linke verliert leicht auf 8,6 Prozent und sind künftig nur noch viertstärkste Kraft im Landtag.

Die FDP - bisher noch Teil der schwarz-rot-gelben Regierungskoalition in Magdeburg - scheiterte bei der Landtagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde. Das BSW musste am Wahlabend lange um den Einzug in den Landtag bangen. Laut vorläufigem amtlichen Endergebnis liegt das Bündnis mit 5,3 Prozent klar über der entscheidenden Schwelle.

Rund 1,7 Millionen Stimmberechtigte waren am Sonntag, den 6. September dazu aufgerufen, die Macht- und Mehrheitsverhältnisse in Sachsen-Anhalt neu zu bestimmen. Die Wahlbeteiligung fiel mit knapp 78 Prozent auffallend hoch aus.

Sachsen-Anhalts amtierender Ministerpräsident Sven Schulze, Spitzenkandidat der CDU, räumte die Niederlage seiner Partei bereits am frühen Sonntagabend ein. Die hohen Zugewinne der AfD wertete er als Ergebnis einer demokratischen Entscheidung. "Weil ich heute hier schon gehört habe, 'Es wäre jetzt ein schwarzer Tag für Sachsen-Anhalt': Das ist Demokratie", sagte Schulze am Wahlabend.

Schuze, zugleich CDU-Vorsitzender in Sachsen-Anhalt, büßte bei der Landtagswahl nicht nur mit seiner Partei Stimmen ein. Er unterlag der AfD auch im eigenen Wahlkreis. Schulze, der erstmals bei einer Landtagswahl als Direktkandidat antrat, verlor im Wahlkreis Magdeburg III gegen den AfD-Kandidaten Christian Mertens.

In Interviews äußerte sich Schulze am Wahlabend selbstkritisch. "Wir werden uns morgen, wenn wir das endgültige Ergebnis haben, mit diesem Wahlergebnis auseinandersetzen", sagte Schulze mit Blick auf den Tag nach dem Wahltermin. Auf die Frage, ob die "Brandmauer" der CDU im Umgang mit der AfD weiterhin bestehe, wollte er sich zunächst nicht festlegen.

In Sachsen-Anhalt wird die AfD vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. "Wir haben Beschlüsse auf Bundesebene, aber wir haben eine Hochrechnung, die uns hart trifft", sagte Schulze mit Blick auf das Wahlergebnis und die Brandmauer-Beschlüsse der Bundes-CDU. "Deswegen müssen wir damit erst einmal umgehen."

AfD-Spitzenkandidat Siegmund wertete den Wahlausgang als klares Signal für seine Partei. Mit Blick auf das gute Abschneiden der AfD sagte er bei ntv: "Natürlich ist es ein Regierungsauftrag." Zugleich räumte er allerdings ein, dass er aktuell keine Partner für eine Koalition sehe. Laut Hochrechnungen reicht es nicht für eine Alleinregierung der AfD.

Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt

Die Linken stehen laut ihrer Fraktionschefin im Bundestag, Heidi Reichinnek, in Sachsen-Anhalt für Gespräche über eine Koalition jenseits der AfD zur Verfügung. "Wir haben immer ganz klar gesagt, dass wir bereit sind, mit allen demokratischen Kräften darüber zu sprechen, wie wir das Leben der Menschen verbessern und diese Demokratie verteidigen", sagte sie in der ARD.

Zugleich machte Reichinnek aber deutlich: "Wir werden keine AfD-Light-Politik mittragen." Der Ball liege bei der Union, die die Lage mit ihrer Politik mit verursacht habe. "Aber natürlich werden wir alles dafür tun, um die AfD von der Macht fernzuhalten. Da müssen aber noch ein paar mehr mitmachen."

Ergebnisse aus den Wahlkreisen

Hinweis: Der Auszählungsstand in den Wahlkreisen wird im Laufe des Wahlabends laufend aktualisiert.

Insbesondere der Bundesregierung und Kanzler Friedrich Merz machte Reichinnek Vorwürfe. "Die AfD wird ja nicht gewählt, weil sie so tolle Konzepte hätte. Die AfD wird vor allem gewählt, weil die Menschen frustriert und wütend sind", sagte sie. Daran habe die regierende Politik einen großen Anteil, sie sehe das auf Bundesebene. "Das Einzige, was von Kanzler Merz kommt, ist, dass die Menschen beschimpft werden."

Daten zur Wahlanalyse

In Sachsen-Anhalt hätten jetzt viele Menschen Angst, sagte Reichinnek. "Menschen mit Migrationshintergrund, queere Menschen, Menschen, die sich als eher links verstehen, Menschen mit Behinderung, Menschen, die Arbeit suchen. Und ich finde, es ist jetzt wichtig, den Menschen zu sagen: Egal, wie schwer das ist, ihr seid nicht allein, habt keine Angst."

Sachsen-Anhalt regional: So schneiden die Parteien ab

Im Zusammenhang mit der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist es in der Landeshauptstadt zunächst weitgehend ruhig geblieben. Es habe das ganze Wochenende über in Magdeburg keine besonderen Vorkommnisse gegeben, die mit der Wahl in Verbindung stünden, sagte ein Polizeisprecher am Abend. 

Bei Versammlungen und Demonstrationen hätten insgesamt rund 450 Menschen teilgenommen. Die größte Kundgebung mit rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war demnach von der Jugend des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) angemeldet worden.

Sachsen-AnhaltErgebnisse der Landtagswahl 2026 in den Wahlkreisen

Die Ergebnisse früherer Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt

Auffallend hohe Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung fiel bereits im Tagesverlauf deutlich höher aus als bei der vorangegangenen Landtagswahl. Gegen 16.00 Uhr hatte die Beteiligungsquote bereits das Niveau von 2021 übertroffen. Die zuvor höchste Wahlbeteiligung hatte die Landeswahlleitung in Sachsen-Anhalt Ende der Neunziger verzeichnet. Bei der Landtagswahl 1998 stimmten 71,5 Prozent der Wahlberechtigten ab. Bei dem aktuellen Votum lag die Wahlbeteiligung vorläufigen Angaben zufolge bei 77,8 Prozent.

Direktwahlfrage: Schulze vor AfD-Kandidat Siegmund

Rückblick: So sah das Wahlergebnis 2021 aus

Die Wahllokale waren am Sonntag, den 6. September 2026 wie üblich von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Die Stimmabgabe selbst folgte dem bekannten Verfahren. Auf dem Stimmzettel konnten Wahlberechtigte zwei Kreuze setzen: Mit der Erststimme konnten sie sich für einen Direktkandidaten im Wahlkreis entscheiden, mit der Zweitstimme für eine Partei.

Die Sitzverteilung im Parlament entscheidet über die Frage, welche Partei den künftigen Ministerpräsidenten stellen kann. Für die Wahl im Landtag ist der Rückhalt einer absoluten Mehrheit erforderlich. Wie eine solche Mehrheit organisiert werden kann, dürfte die Parteien in den kommenden Tagen und Wochen intensiv beschäftigen. Mit dem vorläufigen Endergebnis der Landtagswahl veröffentlichte Landeswahlleiterin Christa Dieckmann die Grundlage: Die Sitzverteilung im Landtag von Sachsen-Anhalt steht damit fest, das weitere Vorgehen der Parteien ist offen.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa/rts

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