Wirtschaft

Wettgewinne, FilmmillionenSo sieht das Geldwäsche-Geflecht von Flávio Bolsonaro aus

28.10.2026, 18:33 Uhr
imageVon Kilian Schroeder
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Kennt sich familienbedingt mit Ermittlungen aus: Flávio Bolsonaro. (Foto: AP Photo/Eraldo Peres)

Nach seiner Wahlniederlage hat Flávio Bolsonaro Brasilien in Richtung USA verlassen. Hintergrund sind wohl Ermittlungen gegen den Präsidentschaftskandidaten. Es geht um einen Privatjet, ein gemeinsames Bankkonto und milliardenschwere Wetteinsätze.

Das Oberste Gericht in Brasilien wollte keine Zeit verlieren. Kurz nach Flávio Bolsonaros Wahlniederlage gegen Präsident Luiz Inácio Lula da Silva ordnete ein Richter an, dass Bolsonaro das Land nicht mehr verlassen dürfe und seine Pässe abgeben müsse. Funktioniert hat der Schachzug nicht: Der Wahlverlierer ist längst nicht mehr in Brasilien, Fotos zeigen ihn in Miami.

Der Hintergrund für die überstürzte Abreise: Die brasilianische Polizei ermittelt in mehreren Verfahren gegen Flávio Bolsonaro. In einem davon geht es um Geldwäschevorwürfe über ein komplexes Netzwerk an Glücksspielfirmen. In einem anderen Fall untersuchen die Ermittler eine Finanzspritze eines in Ungnade gefallenen Bankers - angeblich für ein Biopic über Bolsonaros Vater.

Der Geldwäsche-Fall

Ihren Ausgang nahmen die Geldwäsche-Ermittlungen im Frühjahr 2025. Unter dem Stichwort "Operation Ohne Rabatt" ging die Polizei damals gegen Unternehmen und Vereine vor, die unbefugt Beträge aus Rentenzahlungen einbehalten hatten. Dabei fielen den Ermittlern Medienberichten zufolge auch Bankunterlagen der Firma Alcazar Holdings in die Hände, die dem Anwalt Willer Tomaz gehört. Die Ermittler vermuten, dass Tomaz insgesamt bis zu 1 Milliarde US-Dollar gewaschen hat - indem er sie immer wieder in Wetten platzierte und so ihre Herkunft verschleierte. Tomaz bestreitet die Vorwürfe und soll bereits vor einigen Tagen in die USA gereist sein.

Unbestritten ist, dass Bolsonaro und Tomaz eng befreundet sind. Online kursieren Fotos der beiden, Bolsonaro bezeichnete sein Verhältnis zu Tomaz als "legitime Freundschaft". Gemeinsam unternahmen die beiden mehrere Reisen, im Januar 2025 nutzte Bolsonaro einen Privatjet, der zu einer von Tomaz' Firmen gehört.

Doch womöglich war die Beziehung zwischen Bolsonaro und Tomaz nicht nur persönlicher Natur. Laut übereinstimmenden Medienberichten war Bolsonaro einer der Kontoinhaber eines Bankkontos der Alcazar Holding - und hatte zumindest theoretisch weitgehende Kontoberechtigungen. Laut den Ermittlern beantragte ein Mitarbeiter von Tomaz im Mai 2025, dass die Bank Bolsonaro die Kontoverfügung streicht - bis dahin scheint der Präsidentschaftskandidat mindestens Zugang gehabt zu haben.

Im Zuge der Ermittlungen hatte der Oberste Gerichtshof angeordnet, dass sich Bolsonaro von Tomaz fernhalten müsse. Bolsonaro selbst bestreitet, jemals mit Tomaz Geschäfte gemacht zu haben und bezeichnete die Ermittlungen als politisch motiviert.

Der Filmfinanzier

Nicht nur wegen seiner Verbindungen zu Tomaz hat Bolsonaro Ärger mit den Behörden. In einem zweiten Ermittlungsverfahren geht es um den Film "Dark Horse". Dieser erzählt den angeblich heldenhaften Aufstieg von Bolsonaros Vater und ehemaligen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro. Dass dieser wegen der Planung eines Staatsstreichs in Hausarrest ist, erwähnt der Film laut "New York Times" erst in den Schlusscredits.

Doch Brasilien zieht weniger die Handlung des Films in den Bann als die Finanzen hinter der Produktion. Berichte des Portals "The Intercept" deuten darauf hin, dass hinter dem Geld der ehemalige Banker Daniel Vorcaro steckt. Vorcaro war Chef von "Banco Master", deren Kollaps Milliarden in Rentenfonds auslöschte. Vorcaro sitzt inzwischen wegen eines groß angelegten Finanzbetrugs in Haft, bestritt aber jegliches Fehlverhalten.

Gegenüber der Plattform "The Intercept" hatte Flávio Bolsonaro gesagt, er habe keine Verbindungen zu Vorcaro. Doch nur wenige Stunden nach dem Statement wurden Tonaufnahmen geleakt, in denen Bolsonaro Vorcaro um Geld für den Film bat. Hinterher bestätigte der Präsidentschaftskandidat den Vorgang.

Laut von "The Intercept" veröffentlichten Text- und Audionachrichten soll Vorcaro schließlich 24 Millionen Dollar zugesagt haben. Nachdem die Filmproduzentin Karina Ferreira da Gama auch das zuerst bestritten hatte, räumte sie später ein, dass Vorcaro 11 Millionen Dollar gezahlt habe - immer noch deutlich mehr als der bis dahin teuerste brasilianische Film "Ainda Estou Aqui". Mitarbeiter der Filmcrew berichten hingegen von geringen Gehältern - laut "New York Times" hätten die Kulissen sogar teilweise von den Mitarbeitern selbst bezahlt werden müssen.

Bankauszüge, die ebenfalls "The Intercept" veröffentlicht hatte, sollen zeigen, dass Vorcaro zumindest mehrere Millionen in Fonds überwies, die der Anwalt von Eduardo Bolsonaro kontrolliert - Flávio Bolsonaros Bruder. Zwischenzeitlich sei Eduardo Bolsonaro Executive Producer des Films gewesen und hätte die Finanzierung gemanaged. Von dieser Rolle sei er aber zurückgetreten, teilte Eduardo Bolsonaro mit.

Wann der Film "Dark Horse" herauskommen soll, ist bis heute unklar.

Quelle: ntv.de

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