Wirtschaft

Tigergarnelen mit TigernPannen ohne Ende: Lieferando stoppt KI-Essensbilder

28.10.2026, 14:51 Uhr
imageVon Stephanie Schulze
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Kurze Pause: Lieferando stoppt sein Bildtool - zumindest vorerst. (Foto: picture alliance/dpa)

Wohl um den Appetit seiner Kunden anzuregen, setzt der Lieferservice Lieferando auf Künstliche Intelligenz bei der Erstellung von Essensbildern. Die Ergebnisse sind jedoch mehr als fragwürdig und weit von der Realität entfernt. Im Netz häuft sich der Spott. Nun setzt Lieferando seinen Bildgenerator aus.

Wer auf der Online-Plattform Lieferando bestellt, hat bekanntlich die Qual der Wahl zwischen zahlreichen Restaurants und Speisen. Doch dabei gibt es nicht zu jedem angebotenen Essen ein Bild. Wohl um die Gerichte den Kunden schmackhaft zu machen und auch bei der Entscheidungsfindung zu helfen, nutzte der Lieferservice daher Künstliche Intelligenz (KI) bei der Erstellung von Produktfotos. Die Ergebnisse waren jedoch wenig überzeugend und wirklichkeitsnah. Nachdem immer absurdere Fotos im Netz aufgetaucht waren, hat Lieferando das Werkzeug erst einmal gestoppt. Das berichtete der "Spiegel".

Wie Screenshots unter anderem auf der Plattform Reddit zeigten, wurde aus einem Jumbo Cheeseburger ein Teller mit Pommes und Hackfleisch - oder aus einem Hotdog eine Suppe mit Nudeln. Mehrere User sagten, dass bei ihnen in der App anstelle einer Pizza ein Salat angezeigt wurde. Ähnliche Berichte gab es auch auf Instagram oder X.

Die Fotos wurden dabei nicht von den Restaurantbetreibern selbst in Auftrag gegeben, sondern durch das Tool automatisch erzeugt. Laut dem "Spiegel" habe Lieferando die Betriebe aufgefordert, selbst die Bilder zu prüfen. Viele hätten das aber offensichtlich nicht getan.

Lieferando ist damit nicht allein. Hintergrund der KI-Flut ist eine Initiative des britischen Mutterkonzerns Just Eat Takeaway. Die britische Konzernschwester Just Eat hatte ähnliche negative Erfahrungen gemacht. Wie der "Independent" schrieb, wurde unter anderem das irische Frühstück Sausage Soda Bread (ein Gebäck mit Wurst und Ei) als Limonadenglas dargestellt, in dem Wurststücke schwammen. Tigergarnelen erschienen als echte Tigerbabys in einer Suppenschüssel, Garlic Bread wurde zu einem Flugzeug aus Brot. Und die Ofenkartoffel, auf Englisch Jacked Potato, wurde den Usern als Jacke mit Kartoffeln präsentiert.

Just Eat hat das Experiment gestoppt und sich mittlerweile bei den Kunden entschuldigt. Ein Ende der KI-Bilder ist aber nicht in Sicht. Das Tool werde weiterentwickelt, sagte ein Sprecher gegenüber dem "Independent", und sei daher nur vorübergehend ausgesetzt. Die fehlerhaften Bilder würden geprüft und entfernt.

In Deutschland sorgten die Fotos nicht nur für Spott und Lacher, sondern auch für viele Probleme. So häuften sich Beschwerden von Kunden, die aus Versehen das Falsche bestellt hatten. Auf Reddit hieß es zudem, dass die KI das Essen deutlich größer dargestellt habe als das, was am Ende wirklich auf dem Teller landete. Von Täuschung war die Rede und "Schummelei". Ein User schrieb: "Wenn das Restaurant zum Beispiel bei einem großen Schnitzelmenü drei große Schnitzel abbildet und dann nur eins geliefert wird, ist das halt irreführend."

Studie: Echte Fotos deutlich beliebter

Dass Künstliche Intelligenz bei der Verwendung von Essensbildern genutzt wird, ist nichts Neues. Doch statt den Appetit anzuregen, erzeugen die Fotos eher das genaue Gegenteil: Ekel. Das geht zumindest aus einer Studie der Uni Duisburg-Essen hervor. Dabei wurden den Teilnehmern Bilder von Lebensmitteln gezeigt, ohne ihnen vorab zu sagen, ob diese real oder KI-generiert waren. Anschließend wurden diese bewertet. Das Ergebnis: Die künstlichen Bilder machten deutlich weniger Lust aufs Essen und wirkten sogar unappetitlich.

Im sozialen Netz ist unlängst eine Gegenbewegung gestartet. "Wir verzichten auf KI" werben viele Restaurants, Supermärkte oder Cafés. Auch Zeichnungen von Kindern werden verwendet. Glaubt man den Kommentaren, kommt das gut an: "Jedes Poster sieht mittlerweile identisch aus. Ich ziehe eine authentische Botschaft, Persönlichkeit und Unvollkommenheit jederzeit der KI-Perfektion vor!"

Künstliche Bilder müssen klar gekennzeichnet sein

Derweil hält Lieferando an Künstliche Intelligenz weiter fest. Auch wenn das Tool gestoppt wurde, setzt der Konzern nach eigenen Angaben auf KI-gestützte Empfehlungen, Prognosen für Lieferzeiten oder Sprachassistenten, bei denen der Nutzer in der App seine Essenswünsche direkt per Sprache formulieren kann. Laut all-ai .de durchsuche die KI automatisch alle Speisekarten von 48.000 Partnerbetrieben. Das beeinflusse auch die Auffindbarkeit der Restaurants auf der Plattform: Aufträge würden bevorzugt an die Anbieter gehen, die ihre Speisekarten für KI-Systeme optimiert hätten.

Seit August 2026 müssen Produktbilder, bei denen KI eingesetzt wird, klar gekennzeichnet sein. In der Regel hatte Lieferando beziehungsweise Just Eat einen entsprechenden Hinweis auf seinen Abbildungen. Bei Verstößen gegen den EU AI Act drohen Bußgelder von bis zu 15 Millionen Euro oder drei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Auch andere Lieferdienste wie Uber Eats nutzen KI für Restaurants. Hier würden laut Uber Eats jedoch explizit Tools verwendet, welche die vorhandenen Fotos optimieren.

Quelle: ntv.de

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