Wirtschaft

"Zu spät, zu niedrig"IG Metall lehnt Angebot ab: Warnstreiks kommen

27.10.2026, 19:11 Uhr
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Zum Auftakt der Verhandlungen wurde in München von der IG Metall groß demonstriert. Bislang blieben die Arbeitgeber davon unbeeindruckt. (Foto: REUTERS)

Die IG Metall kämpft für mehr Geld und bessere Tarifbedingungen. Millionen Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie sollen fünf Prozent mehr Lohn erhalten, bei 12 Monaten Laufzeit. Auch die Jobsicherung ist ein Thema. Die Arbeitgeber bieten allerdings deutlich weniger.

Bei den regionalen Tarifverhandlungen für die gut 3,7 Millionen Beschäftigten der deutschen Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall ein erstes Angebot der Arbeitgeber abgelehnt. Warnstreiks ab November seien somit unausweichlich, heißt es von den Gewerkschaften.

Die Arbeitgeber hatten ihr Angebot in fünf Tarifgebieten gleichzeitig vorgelegt. Sie sieht nach acht Monaten Leerlauf eine Einmalzahlung von einem Prozent des Jahresbruttoentgelts im Juli 2027 vor - aber nur bei Firmen mit genug Profitabilität, also nicht für alle. Die Einmalzahlung, die zum Beispiel in Baden-Württemberg 700 Euro entspräche, könnten Firmen mit weniger als 2,3 Prozent Rendite verschieben oder streichen. Das würde nahezu die Hälfte der Unternehmen vor Ort betreffen. Eine dauerhafte Tariferhöhung von 1,3 Prozent soll im Juli 2028 folgen. Der Tarifvertrag solle 26 Monate bis Ende 2028 laufen.

Außerdem fordern die Arbeitgeber eine tarifliche Verpflichtung zu Gesprächen über den schnelleren Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) sowie über hohe Krankenstände, um die Kosten zu senken. "Die Wunschliste der Arbeitgeber ist lang, ihr Angebot ist karg", erklärte der Verhandlungsführer der IG Metall, Thorsten Gröger.

IG Metall verlangt 5 Prozent mehr Lohn

Dem gegenüber steht die Forderung der IG Metall für die Beschäftigten. Ihr Ziel sind ab November fünf Prozent mehr Geld mit einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zudem müsse über die Sicherheit von Betrieben und Arbeitsplätzen verhandelt werden. Zusätzlich verlangen sie, dass die Beschäftigten bei sogenannten "Boom-Betrieben", also Unternehmen, die besonders gut verdienen, an den Gewinnen beteiligt werden. Darauf gingen die Arbeitgeber nicht ein.

"Zu spät, zu niedrig", kommentierte die IG Metall Nordrhein-Westfalen das Paket der Arbeitgeber. Die Laufzeit sei zu lang, "und es steckt wenig Zukunft drin", erklärte Bezirkschef Knut Giesler. Die Konjunktur könne nur über den Konsum belebt werden. "Das Arbeitgeberangebot ist faktisch eine Minus-Runde und schwächt die wirtschaftliche Entwicklung zusätzlich."

Damit zeichnen sich nach zwei Verhandlungsrunden Warnstreiks ab, die nach dem Ende der Friedenspflicht bereits ab diesem Sonntag (1. November) möglich sind. In NRW soll darüber am Samstag die Tarifkommission entscheiden. Die Arbeitgeber haben ihr Angebot bislang in fünf Tarifbezirken vorgelegt: Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und im Norden. Die übrigen Tarifgebiete (Mittelgruppe, Thüringen, Berlin-Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim) sollen folgen.

Im Südwesten stimmt man sich bereits auf den Warnstreik ein. Bezirksleiterin Barbara Resch erklärte: "Die Arbeitgeber müssen sich bewegen. Sonst sorgen die Beschäftigten in den Betrieben dafür." Vor der Verhandlung der bayrischen Metall- und Elektroindustrie demonstrierten in Coburg insgesamt 3200 Metallerinnen und Metaller aus ganz Bayern zweieinhalb Stunden lang lautstark für ihre Forderungen. Auch vor den Verhandlungslokalen in anderen Tarifgebieten kam es zu lautstarken Demonstrationen der Beschäftigten.

Arbeitgeber wollen mehr Ausnahmen

Die Arbeitgeber fordern ein automatisches Abweichen von Tarifstandards nach unten. Sie begründen es damit, dass die Branche in der schwersten Krise seit Gründung der Bundesrepublik stecke. Aus Sicht der Gewerkschaft höhlt das aber den Flächentarifvertrag aus, wie Gewerkschafter Gröger sagte.

Gesamtmetall erklärte, man sei sich zwar mit der IG Metall einig darin, dass die wirtschaftliche Lage der Branche ausgesprochen kritisch sei. Das Ausmaß der Bedrohung für weitere Zehntausende Arbeitsplätze sei aber in großen Teilen der Gewerkschaft noch nicht angekommen.

"Die Arbeitgeber reden nur über Kosten und Krankenstände statt über Zukunft, Investitionen und Beschäftigungsperspektiven", kritisierte der bayerische IG-Metall-Chef Horst Ott. "Es gibt kein Bekenntnis zum Standort und zu den Menschen in den Betrieben." Die Beschäftigten sollten ihre Zukunft durch Verzicht erkaufen, ohne Garantien zu bekommen. "Erst wenn die Arbeitgeber bereit sind, auch selbst Beiträge zu leisten, können wir in dieser Tarifrunde vorankommen", betonte er.

Quelle: ntv.de, sts/dpa/rts

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