Nordrhein-WestfalenTerrorprozess gegen Syrien-Rückkehrerin gestartet

Schießübungen mit Kindern und Zahlungen vom IS: Was die Staatsanwaltschaft einer Syrien-Rückkehrerin aus dem Ruhrgebiet vorwirft.
Düsseldorf (dpa/lnw) - Eine Syrien-Rückkehrerin aus Herne muss sich als mutmaßliche IS-Terroristin am Düsseldorfer Oberlandesgericht verantworten. Der 34-Jährigen werden neben der IS-Mitgliedschaft von der Generalstaatsanwaltschaft auch Kriegsverbrechen vorgeworfen.
Seine Mandantin werde zu den Vorwürfen Stellung nehmen, kündigte ihr Verteidiger beim Prozessauftakt an. Aber erst am nächsten Verhandlungstag - sie sei nach all den Jahren sehr aufgeregt.
Die Frau erschien mit einem schwarzen Kopftuch, hellem Hemd und Jeans auf der Anklagebank. Laut Anklage war sie vor elf Jahren mit ihrem Ehemann und den beiden gemeinsamen Kindern in das Kriegsgebiet gereist. Die Tochter war sechs, der Sohn ein Jahr alt. Damit habe die Mutter die Kinder in Todesgefahr gebracht und das Kindeswohl gefährdet, wirft ihr die Generalstaatsanwaltschaft vor.
Die Deutsch-Libanesin soll zwischen September 2015 und Oktober 2017 IS-Mitglied gewesen sein. Während ihr Ehemann sich als IS-Terrorist an Kampfhandlungen beteiligt haben soll, habe sie den Haushalt geführt und die Kinder betreut. Dabei habe sie in Kauf genommen, dass die vom IS gestellte Wohnung zuvor von der Terrormiliz unrechtmäßig in Besitz genommen worden sei.
Schießübungen mit Kindern
Die Angeklagte soll außerdem an einer Schießübung teilgenommen und zugelassen haben, dass ihre minderjährigen Kinder dabei ebenfalls mit Waffen umgingen. Zwischen März und Juni 2016 soll sie nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft vier Zahlungen des IS in Höhe von jeweils 200 US-Dollar erhalten haben. Der Ehemann soll im Oktober 2017 bei einem US-Drohnenangriff getötet worden sein.
Nach ihrer Flucht aus dem Kriegsgebiet wurde die Angeklagte den Angaben zufolge zunächst in der Türkei festgenommen. Im Februar 2019 reiste sie mit ihren Kindern nach Deutschland ein. Sie befindet sich auf freiem Fuß. Das Gericht hat für den Fall sieben Verhandlungstage angesetzt.
Aus Justizkreisen hieß es, die 34-Jährige habe im Vorfeld des Prozesses die Vorwürfe der Anklage bestritten. Ihr Verteidiger bestätigte am Rande der Verhandlung, dass seiner Mandantin zunächst das Sorgerecht für die Kinder entzogen worden war, es ihr aber bereits 2020 wieder zugesprochen wurde. Das Strafverfahren gegen sie sei schon mal eingestellt und dann nach neuen Hinweisen wieder aufgenommen worden.