Regionalnachrichten

Nordrhein-WestfalenStudie: Integration funktioniert, doch Potenziale ungenutzt

28.09.2026, 12:45 Uhr
image

Menschen mit Einwanderungsgeschichte in NRW sind laut einer Untersuchung häufiger erwerbstätig als Einheimische – vor allem, weil sie im Schnitt jünger sind. Integration klappt, aber nicht optimal.

Essen (dpa/lnw) - Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Nordrhein-Westfalen sind einer Studie zufolge im Durchschnitt jünger und daher häufiger erwerbstätig als Menschen ohne Migrationshintergrund. Zu dem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI).

Die Erwerbsquote von Menschen mit Einwanderungsgeschichte liegt demnach bei 61 Prozent. Einheimische erreichen hingegen eine Erwerbsquote von 56 Prozent. Einen maßgeblichen Grund für den Unterschied sieht die Untersuchung in der Altersstruktur: Menschen mit Migrationshintergrund seien im Durchschnitt deutlich jünger, der Anteil von Rentnern in der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund sei mehr als doppelt so hoch.

Hälfte mit Zuwanderungsgeschichte hat deutschen Pass

NRW ist stark von Migration geprägt. Nach ZfTI-Angaben haben 5,7 Millionen Menschen - also 32 Prozent der Bevölkerung - eine Einwanderungsgeschichte. Einen großen Teil machen Zugewanderte aus der Türkei aus. Oft handelt es sich um zwischen Mitte der 1950er und Ende der 1960er Jahre angeworbene Arbeitsmigranten und deren hierzulande geborene Kinder und Enkel.

Seit 2015 stammen die Eingewanderten vor allem aus Syrien, Rumänien, Afghanistan, Bulgarien sowie ab 2022 aus der Ukraine, erläuterte die Stiftung. Fast die Hälfte der Zugewanderten in NRW haben die deutsche Staatsbürgerschaft. Bemerkenswert sei auch der Befund, dass Deutsche mit Einwanderungsgeschichte genauso häufig als Spezialistinnen und Experten tätig seien wie Einheimische, betonte ZfTI-Vorstand Dirk Halm.

Aber zugleich verfügt ein Drittel aller Zugewanderten in NRW nur über eine befristete Aufenthaltsgenehmigung, stellt die Studie heraus.

Teilhabe und Bildung zahlten sich aus

"Soziale Integration in NRW funktioniert nachweislich, bedarf aber gesellschaftlicher Anstrengungen und Voraussetzungen", heißt es in der Analyse. Zuwanderung habe eine große gesellschaftliche Bedeutung. Teilhabe, Bildung und Arbeitsmarktintegration zahlten sich langfristig aus. Laut Stiftung bleiben aber erhebliche Qualifikationspotenziale ungenutzt. Das liege auch daran, dass in NRW Abschlüsse, die im Ausland erworben wurden, "nicht angemessen anerkannt und eingesetzt werden".

Vorstand Halm mahnte, gebraucht werde eine Politik der Weltoffenheit, nicht der Abschottung. Besonderes Potenzial gebe es bei Migranten, die in den vergangenen zehn Jahren gekommen sind. Ihre Erwerbsbeteiligung liege mit 44 Prozent noch deutlich unter der anderer Bevölkerungsgruppen.

Die Studie basiert vor allem auf Daten, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) jährlich über eine repräsentative Befragung von aktuell rund 20.000 Haushalten und 28.000 darin lebenden Erwachsenen (SOEP-Panel) gewinnt. Für NRW war der Datensatz für 2023 von rund 6.300 Personen ausgewertet worden.

Quelle: dpa

Regionales