Nordrhein-WestfalenNRW-Kitas im Umbruch: Mehr Schließungen als Neueröffnungen

Immer mehr Kitas in NRW schließen, während weniger neue eröffnen. Besonders die Kindertagespflege steht vor großen Herausforderungen. Was das für Eltern und Kinder bedeutet.
Dortmund (dpa/lnw) - Ein neuer wissenschaftlicher Bericht sieht den Ausbau der Kindertageseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen im Umbruch. Erstmals würden im Kita-Jahr 2026/27 weniger Kitas neu eröffnet als geschlossen, heißt es im Bericht "Kindertagesbetreuung NRW 2026" des Forschungsverbundes des Deutschen Jugendinstituts und der TU Dortmund. Zugleich beeinträchtigten Personalausfälle den Kita-Betrieb an vielen Orten.
In diesem Kita-Jahr sind dem Bericht zufolge landesweit 10.805 gesetzlich geförderte Einrichtungen erfasst. Das seien 44 Kitas weniger als vergangenes Jahr. 80 geplanten Neueröffnungen stünden 124 Schließungen gegenüber. Zugleich wurden in den Kitas gegenüber dem Vorjahr 736 Plätze weniger für unter Dreijährige und 8.241 Plätze weniger für Kinder ab drei Jahren beantragt. "Damit zeichnet sich nach der langjährigen Ausbauphase eine Trendwende ab", heißt es in dem Bericht.
Deutliche Trendumkehr in der Kindertagespflege
Besonders stark betroffen von der sinkenden Nachfrage sei die Kindertagespflege. Diese werde künftig vor einer enormen Herausforderung stehen, als U3-Betreuungsangebot neben der Kita stabil und verlässlich erhalten zu bleiben. Allein gegenüber dem vergangenen Kita-Jahr betrage der Rückgang rund 7.800 Plätze. Betroffen sei vor allem das Angebot für unter Dreijährige.
Die Gründe für die rückläufigen Kapazitäten in Kitas und Kindertagespflege - ob Demografie, Nachfrage, Planungsentscheidungen oder Ressourcenengpässe - ließen sich den Angaben zufolge aus den Daten nicht ablesen. Das NRW-Familienministerium hatte als Grund für die gesunkenen Zahlen rückläufige Geburtenzahlen genannt.
Personalengpässe ein großes Problem
Im Jahr 2025 wurden rund 36.000 Meldungen zu Personalunterdeckungen aus gut 6.000 verschiedenen Kitas erfasst. Damit meldeten mehr als die Hälfte der Kitas (55 Prozent) mindestens eine Unterdeckung. Ein kleiner Teil der Einrichtungen war dabei besonders häufig von Personalnot betroffen. Auf rund 5 Prozent der Kitas entfielen 34 Prozent aller Meldungen.
Am häufigsten reagierten Kitas auf Engpässe mit reduzierten Betreuungszeiten und verringerten Platzzahlen. Die Befunde hätten gezeigt, dass auch ein teilweise aufrechterhaltener Betrieb mit spürbaren Einschränkungen für Kinder und Eltern verbunden sei.
Bei 92 Prozent der Meldungen wurden kurzfristige krankheitsbedingte Personalausfälle als Grund für die Unterdeckung genannt. In rund der Hälfte der Meldungen wurde aber mehr als ein Grund angegeben. Häufig überlagerten sich somit verschiedene Ausfälle und Belastungen.
Folgen für die Zukunft
Mit der Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige sei ein enormer Platzausbau einhergegangen, bilanzieren die Autoren und Autorinnen. Dieser habe in den vergangenen Jahren zu einer erheblichen Personallücke in Kitas geführt.
Die Analysen deuteten für die Kitas bereits jetzt Rückgänge bei Öffnungszeiten und Betreuungsumfängen sowie eine Zunahme der Schließtage an. Veränderungen prognostizieren die Autoren auch bei den Kita-Trägern: Vor allem kirchliche Träger und Elterninitiativen könnten demnach als erste von einem Abbau betroffen sein, wobei es sich bei den kirchlichen Einrichtungen auch um einen geplanten Rückzug handeln könnte.