Niedersachsen & BremenPilze sammeln – die besten Regionen dafür in Niedersachsen

Im Herbst zieht es Pilzfreunde in die Natur. Im Wald und auf Wiesen finden sich schmackhafte Exemplare. In diesem Jahr müssen die Sammler allerdings länger suchen.
Hannover (dpa/lni) - Hohe Luftfeuchtigkeit, Regen und Gewitter sowie Temperaturen um 20 bis 25 Grad sind ideale Bedingungen für das Wachstum von Pilzen im Spätsommer und Herbst. Dann sprießen die Köstlichkeiten aus dem Boden. Wegen seiner Nadel-, Laub- und Mischwälder ist Niedersachsen generell ein gutes Revier für Pilzsammler. Es gibt zahlreiche Pilzarten, die beliebtesten sind Maronen-Röhrlinge, Steinpilze, Rotkappen, Birkenpilze, Hallimasch, Parasol, Stockschwämmchen und Krause Glucke.
Allerdings müssen Pilzfreunde in diesem Jahr etwas länger suchen, denn es ist viel zu trocken. "Es fehlen die Niederschläge, es ist kein gutes Pilzjahr", sagte Rita Lüder von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Dennoch dürfte sich der Blick in einige bewährte Pilz-Reviere in Niedersachsen lohnen. Was Sammlerinnen und Sammler je nach Waldtyp und Lage dort finden:
Lüneburger Heide
Die Lüneburger Heide gehört zu den bekanntesten Pilz-Regionen in Niedersachsen. Dort gibt es zum Beispiel Maronen-Röhrlinge, Birkenpilze, und Steinpilze. Angeboten werden auch geführte Pilzwanderungen. Die Gäste lernen die gängigsten Pilzsorten kennen und erfahren, welche Pilze essbar sind und welche nicht. Alle Wälder in der Lüneburger Heide eignen sich gut zum Sammeln.
Nur im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide ist das Sammeln von Pilzen verboten. Es wurde erstmals 1922 ausgewiesen und ist damit das älteste und größte Naturschutzgebiet Niedersachsens. Es ist autofrei, dort fahren Kutschen. Dieses Gebiet erkennen Sammler an einem Logo mit der Aufschrift "Naturschutzgebiet Lüneburger Heide". Dort weisen grüne Schilder den Weg, viele Wege sind nicht asphaltiert oder auch naturbelassen und Hunde müssen an der Leine geführt werden.
Naturpark Elm-Lappwald
Der Naturpark Elm-Lappwald zählt zu den größten geschlossenen Buchenwäldern Norddeutschlands und liegt zwischen Helmstedt und Königslutter, rund 15 Kilometer von Braunschweig entfernt. In dieser Region finden Sammler vor allem Röhrlinge, Pfifferlinge, Steinpilze und Rotkappen.
Weserbergland
Die hügeligen und bewaldeten Hänge des Weserberglands sind sehr gute Pilz-Reviere. Die Wälder des Solling und Vogler rund um Holzminden, Neuhaus und Silberborn bieten ideale Bedingungen unter anderem für Steinpilze, Maronen und Pfifferlinge.
Auch die beiden Höhenzüge Deister und Süntel zwischen Hameln und Hannover sind bei Pilzsammlern beliebt. In den Wäldern rund um Nienstedt wachsen vor allem Steinpilze.
Harz
Im Harz zeigen die großflächigen Fichtenbestände die Folgen des Klimawandels besonders deutlich. "Die wenig diversen Bestände sind anfälliger für Trockenheit und andere klimatische Veränderungen", erklärt Mykologin Lüder. Mit dem Wald wandele sich auch die Pilzwelt: In den Fichtenbeständen seien etwa Maronen-Röhrlinge vielerorts massenhaft zu finden. Im Harz wachsen unter anderem auch Sommersteinpilze, Gold-Röhrlinge, Rotkappen und Pfifferlinge.
Das Pilzesammeln ist fast im gesamten Nationalpark Harz – das sind etwa zehn Prozent der Gesamtfläche des Harzes – verboten, ebenso in den Naturschutzgebieten. Das sind unter anderem der Wurmberg, Eckertal und Okertal, die Bachtäler im Oberharz um Braunlage, das Siebertal, das Mittlere Innerstetal mit Kanstein sowie die Bergwiesen bei St. Andreasberg, wie Christin Wohlgemuth vom Harzer Tourismusverband erklärt. In den anderen Regionen des Harzes dürfen Pilze aber gesammelt werden.
Was ist beim Pilzesammeln außerdem verboten?
Beim Pilzesammeln gibt es Regeln, um das Ökosystem Wald nicht zu belasten. Denn Pilze sind ein wichtiger Bestandteil, sie dienen der Säuberung des Waldes. Sie zersetzen tote Tiere und Pflanzen und hinterlassen nährstoffreiche Erde.
In ausgewiesenen Naturschutzgebieten in Niedersachsen ist das Sammeln deshalb verboten. Und grundsätzlich dürfen Pilze auch nur für den Eigenbedarf gesammelt werden. Bei besonders geschützten Arten wie den Steinpilzen ist es sogar gesetzlich verboten, mehr Pilze mitzunehmen.
Im Bundesnaturschutzgesetz heißt es dazu, dass jeder Pilze "aus der Natur an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen und sich aneignen darf". Eine allgemeine gesetzliche Gewichtsgrenze gibt es dabei in Deutschland nicht. Als Richtwert gelten ein bis zwei Kilogramm pro Person und Tag.
Worauf muss ich noch achten?
Sammler sollten aufpassen, dass sie nicht auf Pflanzen oder junge Bäume treten. Und sie dürfen das sogenannte Myzel – den eigentlichen Körper eines Pilzes, ein feines, fadenförmiges Geflecht im Boden – nicht beschädigen, betont der Nabu Niedersachsen. Deshalb dürfen die Pilze nicht herausgerissen werden, sondern müssen vorsichtig kurz über dem Boden abgeschnitten werden.
Wichtig ist, dass nur Pilze mitgenommen werden, die man genau kennt. Einige Exemplare mit weißen Lamellen, die auch in Niedersachsen wachsen, sind giftig oder sogar tödlich. Deshalb gilt hier besondere Vorsicht, warnt der Nabu. Pilz-Beratungsstellen in Niedersachsen helfen, wenn sich Sammler unsicher sind.