Baden-WürttembergWie Gladiatoren - Hoffenheim erleichtert über Siegpremiere

Hlozek meldet sich nach langer Leidenszeit beim 2:1 der TSG Hoffenheim gegen den VfB mit einem Doppelpack zurück. Baumann glänzt. Doch der Nationaltorwart spricht von einem "dreckigen Sieg".
Sinsheim (dpa/lsw) - Nationaltorwart Oliver Baumann war nach dem ersten Bundesliga-Saisonsieg nur "teils, teils" zufrieden. Für Trainer Christian Ilzer war das 2:1 (1:0) gegen den VfB Stuttgart wie ein Gladiatorenkampf. Die TSG Hoffenheim musste im Baden-Württemberg-Duell "viel laufen" und "viel leiden", so der Coach. Doch am Ende zählte, dass die Kraichgauer nach zwei Niederlagen zum Saisonauftakt gegen den schwäbischen Champions-League-Teilnehmer den Ergebnis-Durchhänger beendeten. Es war ein enorm wichtiges Erfolgserlebnis vor dem Europapokal-Trip auf die Urlaubsinsel Kreta.
"Die ganz entscheidende Ebene, die heute ganz wichtig war, war die kämpferische - diese Gladiatorenebene", referierte Ilzer am Samstag. Seine Mannschaft sei bereit gewesen, "zu leiden bis in die Knochen".
Baumann: "Schön war es nicht"
Auch wenn keine Unruhe im Verein entstanden war, war die Erleichterung nach dem vorangegangenem Fehlstart groß. Die Stimmung in der Kabine war dementsprechend ausgelassen, wie Ilzer nach dem "50:50"-Duell berichtete. "Stuttgart zu besiegen, ist nichts, was du aus dem Ärmel schüttelst."
Die TSG hielt dem Druck der Gäste mit Einsatz und Laufbereitschaft stand. Dabei half aber auch, dass der Landesrivale verschwenderisch mit seinen Gelegenheiten umging. "Schön war es nicht, aber ist mir jetzt auch egal", meinte Baumann und sprach von einem "dreckigen Sieg".
Der 36-Jährige glänzte neben dem Doppeltorschützen Adam Hlozek (13./67. Minute) als Sieggarant. Mit Top-Paraden hielt er die TSG im Spiel. Ausdrücklich warb der Routinier so vor der ersten Nationalmannschaftsnominierung des neuen Bundestrainers Jürgen Klopp am Donnerstag noch einmal für sich.
Was Ilzer zur strittigen Szene sagt
In der Szene, in der sich die Stuttgarter benachteiligt fühlten, war Baumann nicht beteiligt. Als Mittelfeld-Taktgeber Angelo Stiller im Strafraum der TSG liegenblieb, sahen die VfB-Verantwortlichen, Trainer Sebastian Hoeneß und Sportvorstand Fabian Wohlgemuth, einen klaren Foulelfmeter. Stiller war mit Ozan Kabak zusammengeprallt, Knie stieß an Knie. "Ich könnte mich nicht beschweren, wenn es da Elfmeter gegeben hätte", räumte Ilzer ein.
Zweimal hatten die Kraichgauer an den ersten beiden Spieltagen Führungen aus der Hand gegeben. In Köln und gegen Borussia Dortmund hatten sie jeweils mit 2:3 den Kürzeren gezogen. Schlechte Erinnerungen kamen auf, als der VfB durch Maximilian Mittelstädt (48.) ausglich und auf das zweite Tor drängte.
Im Endspurt der vergangenen Saison hatten die Hoffenheimer beim 3:3 gegen die Schwaben eine 3:1-Führung verspielt. Anfang Mai sei sein Team klar besser gewesen und habe den Sack nicht zugemacht, erinnerte Baumann. "Heute war es nicht so extrem, aber ein bisschen andersherum."
Emotionales Spiel für Hlozek
Dass das Spiel nicht kippte, sei ein Schritt nach vorn gewesen, konstatierte Ilzer. Am Ende sangen die TSG-Fans unter den 30.150 Zuschauern: "Oh, wie ist das schön." Und das dank des Doppelpacks von Hlozek, der erstmals seit mehr als 16 Monaten und dem 3. Mai 2025 wieder traf.
Wegen Verletzungen war der Tscheche in der vergangenen Saison nur sporadisch zum Einsatz gekommen. "Für mich persönlich ist es natürlich sehr emotional", sagte Hlozek über seinen Doppelpack "Die vergangene Saison war für mich ein Desaster. Aber jetzt bin ich endlich zurück. Ich fühle mich gut und von Tag zu Tag besser".
Rechtzeitig vor dem ungewöhnlichen Trip nach Kreta stärkten Hlozek und die TSG das Selbstvertrauen. Am Donnerstag startet auf der griechischen Insel die Ligaphase der Europa League. Es komme darauf an, "den Urlaubsort nicht zu sehen, sondern den Arbeitsplatz zu sehen", sagte Baumann.