Baden-WürttembergSchlüsselduell am Schwarzen Meer: Ginter muss Salah stoppen

Freiburg erwartet eine hohe Europapokal-Hürde in Trabzon. Die Türken setzen auf einen deutschen Trainer, einen 2014er-Weltmeister als dessen Assistent - und vor allem ihren neuen Superstar im Sturm.
Trabzon (dpa/lsw) - Mohamed Salah kam aus dem Staunen nicht heraus. Und das will angesichts der glanzvollen Karriere, die Ägyptens Fußball-Superstar bis hierher hingelegt hat, schon etwas heißen. So eine Erfahrung habe er noch nie gemacht, sagte der 34-Jährige, als er Anfang August als neuer Hoffnungsträger von Trabzonspor vorgestellt und von tausenden Fans frenetisch gefeiert wurde. Drei Monate später lässt sich festhalten: Diese Hoffnungen haben sich erfüllt.
Salah hat die Schwarzmeerküste quasi im Sturm erobert. Zehn Tore in 14 Pflichtspielen stehen für den Offensivmann bereits zu Buche. In Trabzon reifen Titelträume. Doch der SC Freiburg will der Stimmung bei den Türken, die wettbewerbsübergreifend zuletzt sieben Siege in Serie bejubelten, einen Dämpfer verpassen. Vor allem Salah ist es, den es im Conference-League-Duell am Donnerstag (18.45 Uhr/Sky und RTL+) zu stoppen gilt. Und diesen Auftrag dürfte besonders einer mit auf den Weg bekommen: Matthias Ginter.
Ginter in jedem Spiel in der Startelf
Der 32-Jährige ist Freiburgs Abwehrchef und Dauerbrenner - und für Trainer Julian Schuster mehr oder weniger unverzichtbar. In allen Pflichtpartien der bisherigen Saison stand Ginter in der Startelf. Der Routinier ackert, ordnet, dirigiert - und schaltet sich bei offensiven Standardsituationen vorn mit ein.
Die Rückkehr in die Nationalmannschaft blieb und bleibt Ginter offenbar auch unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp verwehrt. An seinem Standing im Breisgau ändert das allerdings nichts. Sei es auf dem Platz oder daneben.
Als er vor eineinhalb Wochen über die dritte Niederlage der Freiburger in Serie sprach, wirkte Ginter ganz ruhig. Alles noch im Lot, gab er zu verstehen. Aber auch, dass die folgenden Partien eine "Marschroute" vorgeben würden, "wo es in den Wettbewerben hingehen kann". Im Pokal gegen Wolfsburg (3:2) und in der Liga in Augsburg (2:1) ist der Sport-Club seitdem wieder in der Spur. Nun auch im Europacup, wo es zuletzt eine 0:3-Klatsche bei AS Monaco gab?
Beim Sieg in Augsburg hätten die Freiburger vergangenen Samstag zwar "nicht die Sterne vom Himmel gespielt", sich aber dennoch ein Kompliment verdient, meinte Ginter. Weil sie eben dranblieben. Und statt nur einem aus dem Kraftakt letztlich sogar noch drei Punkte mitnahmen. Ein Sieg des Willens.
Boateng als Co-Trainer unter Reis
Auch gegen Trabzonspor, den aktuellen Tabellendritten der Türkei und dessen heißblütige Fans, werden die Freiburger Widerstandskraft brauchen. Auch der Pokalsieger setzt seit neuestem auf einen deutschen Weltmeister - allerdings nicht auf dem Rasen, sondern auf der Bank. Jérôme Boateng, der 2014 mit Ginter in Brasilien den goldenen WM-Pokal gewann, ist Co-Trainer bei Trabzon. Sein Chef: Thomas Reis, einst Coach beim VfL Bochum und bei Schalke 04.
Boateng analysiere die Spiele aus Verteidiger-Sicht, erklärte Reis zuletzt. "Wenn er etwas zu den Jungs sagt, hat das eine Wertigkeit". Boateng solle "keine Hütchen aufstellen", verdeutlichte er. "Er soll uns besser machen."
Genau wie Salah. In seinen neun Jahren beim FC Liverpool wurde er viermal Torschützenkönig der englischen Liga - und zur Club-Legende. Unter anderem feierte er zwei Meistertitel und 2019 den Gewinn der Champions League. So etwas wie den Empfang bei Trabzon hat offenbar aber auch er noch nie erlebt.