Gespräch "offen und fundiert"Helsinki und Oslo nehmen Kontakt zu Putin auf

Bald soll in Abu Dhabi unter US-Vermittlung ein Gipfel zur Beendigung des Blutvergießens in der Ukraine stattfinden. Parallel dazu bemühen sich die Regierungen in Helsinki und Oslo um eine Friedenslösung. Überraschend telefonieren sie nun mit Russlands Machthaber Putin.
Finnlands Präsident Alexander Stubb und Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre haben bei einem Telefonat erstmals mit Kremlchef Wladimir Putin über seinen Krieg gegen die Ukraine gesprochen. "Ziel des Telefonats war es, Präsident Putin direkt Botschaften bezüglich künftiger Verhandlungen zu übermitteln, die zur Beendigung des Krieges beitragen sollen", teilten die beiden europäischen Politiker in Helsinki mit.
In dem offiziellen Pressestatement heißt es zudem, dass das Gespräch "offen und inhaltlich fundiert" gewesen sei. "Wir sind Nachbarländer Russlands. Der Ausgang dieses Krieges wird direkte Auswirkungen auf unsere Sicherheit und die Sicherheit Europas insgesamt haben", sagte der finnische Präsident weiter. Um den Krieg zu beenden, sei Diplomatie erforderlich. Støre erklärte, dass er und Stubb gegenüber Putin betont hätten, wie wichtig eine Deeskalation sei.
Nach dem Telefonat ließ Putin mitteilen, dass es in Abu Dhabi in der ersten Novemberhälfte um Fragen der Sicherheit Russlands und der Ukraine nach der vollständigen Beendigung der Kampfhandlungen gehen solle. Für einen Frieden müssten auch Russlands Interessen berücksichtigt werden, sagte er. Laut Kreml wies Putin "auf die konfrontative Politik der EU- und Nato-Staaten hin, die zu einer Verlängerung der Kampfhandlungen führt".
Putin informierte Stubb und Støre über die in der Nacht begonnene lokale Feuerpause um die von russischen Truppen besetzte Frontstadt Oleschky im Gebiet Cherson. Dort ist ein humanitärer Korridor geplant, um Menschen mit Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen und ihnen die Flucht zu ermöglichen. Alle drei Politiker hätten zudem vereinbart, telefonisch weiter direkt in Kontakt zu bleiben, teilte der Kreml mit.
Stubb und Støre hatten vorige Woche auch den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und US-Vermittler Steve Witkoff in Oslo getroffen. Witkoff führte danach Gespräche mit Putin, bei denen eine Wiederaufnahme von Dreier-Gesprächen mit Russen, Ukrainern und Amerikanern vereinbart wurde.
Die Verhandlungen unter US-Vermittlung sollen im November in Abu Dhabi stattfinden. Einen genauen Termin gibt es noch nicht. Die Europäer wollen sich an den Gesprächen beteiligen. Der Kreml zeigte sich jetzt offen für eine Einbeziehung Europas, das die Ukraine mit Waffen und Milliardenhilfen unterstützt. Finnland und Norwegen engagieren sich als Nachbarn Russlands für eine Beendigung des seit gut viereinhalb Jahren andauernden Moskauer Angriffskrieges gegen die Ukraine.