Trump: "Anständige Leute"Flávio Bolsonaro flieht über Argentinien nach Ecuador

Offiziell wollte der unterlegene brasilianische Präsidentschaftskandidat Bolsonaro in Brasilien bleiben und sich den Vorwürfen der Justiz stellen. Tatsächlich setzt er sich mit seiner Familie ab. US-Präsident Trump macht bereits klar: Er will Bolsonaro willkommen heißen.
Der unterlegene brasilianische Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro ist den Behörden des Nachbarlandes zufolge in Argentinien eingereist und von dort mit einem Privatflugzeug Richtung Ecuador weitergeflogen. Das teilte die argentinische Einwanderungsbehörde auf der Plattform X mit. Begleitet wurde Bolsonaro am späten Dienstagabend Ortszeit demnach von seiner Ehefrau Fernanda und seinen Töchtern Carolina und Luiza. Die Maschine hatte laut Flugplan die ecuadorianische Hafenstadt Guayaquil als Ziel. Zuvor hatte es mehrere Berichte gegeben, wonach sich Bolsonaro nach seiner Niederlage wegen möglicher juristischer Probleme in die USA absetzen wolle.
Die Einreise in Argentinien sei in der Provinz Misiones in der Nähe der Iguazú-Wasserfälle auf dem Landweg und mit gültigen Reisedokumenten erfolgt, teilte die Behörde weiter mit. Wohin, wie und wann Bolsonaro von Ecuador aus weiterreisen will, ist noch nicht bekannt.
Noch bevor Genaueres über seine Absichten bekannt war, sagten die USA ihm und seiner Familie Visa zu. Er befürworte eine Einreise, erklärte Trump. Er halte die Familie für anständige Leute. Die Wahl in Brasilien sei "sehr seltsam" und "schrecklich" gewesen. Das US-Außenministerium erklärte sich zur Aufnahme Bolsonaros bereit. "Das Außenministerium wird Flavio Bolsonaro und seiner Familie Visa ausstellen und ihnen die Einreise in die Vereinigten Staaten gestatten", erklärte ein hochrangiger Ministeriumsvertreter in Washington.
Brasilianische Justiz will wegen Geldwäsche ermitteln
Zuvor war Bolsonaro einer Anordnung des Obersten Gerichts in Brasilien nicht nachgekommen, seine Reisepässe binnen 24 Stunden abzugeben. Der in rechten Kreisen angefeindete Richter Alexandre de Moraes hatte Bolsonaros Reisepässe ungültig machen lassen und ihm untersagt, das Land zu verlassen. Die Verfügung erging im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens gegen Bolsonaro und den Anwalt Willer Tomaz. Dabei geht es um mutmaßliche Geldwäsche im Zusammenhang mit Unternehmen und Online-Sportwetten.
Bolsonaro verliert im Februar mit dem Ende seines Mandats im Senat seine parlamentarische Immunität. Noch am Montag hatte er erklärt, er habe nie daran gedacht, das Land zu verlassen. Er werde seine Pässe abgeben und sich gegen die Vorwürfe wehren, die er als Farce und Einschüchterungsversuch bezeichnete.
Seine Ausreise kam offenbar auch für sein eigenes Lager unerwartet. Man sei von der Nachricht überrascht, da man noch am Vortag darüber gesprochen habe, dass Bolsonaro angesichts von 60 Millionen bei der Wahl erhaltenen Stimmen die Rolle des Oppositionsführers übernehmen solle, erklärte Senator Rogerio Marinho. Seine rechtsgerichtete Liberale Partei hatte die Wahlniederlage am Montag anerkannt, obwohl Flavio Bolsonaro selbst das Ergebnis wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten anfechten wollte.
Brasiliens Präsident Lula wirft der Regierung in Washington vor, mit der Bolsonaro-Familie zu paktieren, um diese wieder an die Macht zu bringen. Lula nannte die Flucht beschämend. Trump hatte in der Vergangenheit erklärt, auch Flavio Bolsonaros Vater, der ehemalige Präsident Jair Bolsonaro, sei Opfer einer politischen Verfolgung durch die brasilianische Justiz geworden. Dieser war nach seiner Wahlniederlage gegen Lula im Jahr 2022 ebenfalls in die USA gereist, kehrte später jedoch zurück und wurde wegen eines versuchten Staatsstreichs zu 27 Jahren Haft verurteilt.