Panorama

Protest für mehr SicherheitPolens Fernzüge sind massiv verspätet - mit Absicht

11.09.2026, 11:00 Uhr
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Reisende in Polen brauchen starke Nerven. (Foto: picture alliance / NurPhoto)

Was in Deutschland nahezu normal ist, wird für die polnische Bahn zu einer Protestaktion. Nach einem schweren Unfall ruft die Lokführergewerkschaft zum Langsamfahren auf - viele Züge verspäten sich, manche fallen komplett aus. Dahinter steckt ein großes Problem.

In Polen haben Lokführer mit einer Bummelaktion für mehr Sicherheit auf der Schiene landesweit Verspätungen im Bahnverkehr ausgelöst. Am Freitagvormittag seien 90 Prozent der Fernzüge verspätet gewesen, teilte die polnische Bahn PKP mit. Im Schnitt betrug die Verspätung demnach 30 Minuten. Insgesamt 14 Fernzüge fielen demnach aus. Die Lokführer beendeten ihre Aktion wie geplant um 12.00 Uhr, doch waren die Verspätungen vielerorts damit nicht vorbei.

Zwar gab die Bahn keine Gründe für die Verspätungen an. Anders als in Deutschland fahren die Züge in Polen allerdings in der Regel pünktlich, Zugausfälle sind selten. Die Lokführergewerkschaft hatte ihre Mitglieder dazu aufgerufen, von Mitternacht bis 12.00 Uhr ihre Züge mit einer Geschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde über jeden Bahnübergang fahren zu lassen. Anlass ist ein tragischer Unfall: Am Mittwoch war ein Intercity auf einem unbeschrankten Bahnübergang mit einem Betonmischer kollidiert. Eine Frau starb, zehn weitere Menschen wurden verletzt.

In dem EU-Land Polen gibt es auch an Hauptstrecken noch viele unbeschrankte Bahnübergänge, an denen nur ein Andreaskreuz und ein Blinklicht vor einem herannahenden Zug warnen. Die Lokführergewerkschaft verweist darauf, dass es allein im vergangenen Jahr knapp 180 Unfälle an Bahnübergängen gegeben hat.

Gewerkschaftschef Leszek Mietek zog eine positive Bilanz der halbtägigen Aktion. Man habe nach vielen vergeblichen Bemühungen in der Vergangenheit die Aufmerksamkeit der Politik auf die Gefahr gelenkt und werde sich am 2. Oktober in einem Arbeitskreis mit dem Infrastrukturministerium zusammensetzen, um Lösungen zu erarbeiten. "Es ist schlimm, dass dafür erst ein Mensch zu Tode kommen musste und viele weitere verletzt wurden", sagte Mietek. Er nannte die Aktion einen "Akt der Verzweiflung".

Die polnische Bahn hatte angekündigt, sie werde rechtliche Schritte gegen Organisationen und Personen prüfen, die für eine mögliche Beeinträchtigung des Bahnverkehrs verantwortlich seien. Gewerkschaftschef Mietek stellte klar, dass es sich bei der Aktion nicht um einen Streik gehandelt habe. Vielmehr erlaube das polnische Arbeitsrecht, dass ein Arbeitnehmer eine Tätigkeit verweigere, wenn diese seine Gesundheit gefährde. Er erinnerte an das Schicksal des Lokführers nach dem Unfall von Mittwoch: Der Mann liegt mit Brüchen der Wirbelsäule und weiteren schweren Verletzungen weiterhin im Krankenhaus.

Quelle: ntv.de, mwa/dpa

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