"Unschuldige Menschen starben"NRA-Mitglied gibt Pastor Schuld an Massaker

Das Attentat auf eine Kirche in Charleston schockiert Millionen Amerikaner. Ein Mitglied der US-Waffenorganisation NRA glaubt, den Schuldigen für die Tat gefunden zu haben. Und das ist nicht etwa der Attentäter, sondern der Pastor der Gemeinde.
Ein leitendes Mitglied der US-Waffenlobbyorganisation NRA ("National Rifle Association") gibt dem bei dem Massaker getöteten Pastor Clementa C. Pinckney die Schuld an dem Tod von acht Gemeindemitgliedern. In einem Online-Forum schrieb Charles L. Cotton: "Er [Pinckney, d. Red.] hat sich gegen das verdeckte Tragen von Waffen ausgesprochen. Acht seiner Kirchenmitglieder sind tot, und sie könnten noch am Leben sein, wenn er ihnen ausdrücklich erlaubt hätte, Handfeuerwaffen in der Kirche zu tragen. Unschuldige Menschen starben wegen seiner politischen Position."
Die "Washington Post" zitiert Cotton anschließend mit den Worten, er habe seine Meinung als Privatperson geäußert und nicht als Mitglied eines NRA-Gremiums gesprochen. Die Diskussion in dem betreffenden Online-Forum wurde inzwischen gelöscht. Die "Washington Post" hat auf ihrer Webseite jedoch Screenshots davon veröffentlicht. Cotton gab weiter an, er habe darauf aufmerksam machen wollen, dass solche Schießereien meistens in waffenfreien Zonen stattfänden. "Wenn Privatmenschen überall Waffen tragen dürften, gäbe es weniger Massenschießereien", sagte Cotton.
Am Mittwoch starben neben dem Pastor Clementa Pinckney acht andere Menschen, als der mutmaßliche Schütze Dylann R. während einer Bibelstunde begann, um sich zu schießen.
Onkel will "selbst den Schalter umlegen"
Inzwischen wurde bekannt, dass der entscheidende Hinweis auf den 21-Jährigen nach dem Blutbad von dessen Schwester kam. Bilder einer Überwachungskamera zeigen, wie der junge Mann das Gebäude betritt. Schon kurz nach der Tat ging die Polizei mit diesen Bildern an die Öffentlichkeit und fahndete nach dem mutmaßlichen Todesschützen. Wie die britische Zeitung "Daily Mail" unter Berufung auf das FBI berichtet, kam der Tipp für die Identifizierung des Mannes von seiner Schwester. Die 27-Jährige habe die Bundespolizei informiert, nachdem sie ihren Bruder auf den Bildern erkannt habe.
Der Schock über die Tat sitzt auch in der Familie des mutmaßlichen Täters tief. Der Onkel des 21-jährigen Dylann R. sagte dem Sender "abc", er werde seinem Neffen niemals verzeihen können. Für den Fall, dass er zum Tode verurteilt werden sollte, würde er dies am liebsten selbst durchführen, zitiert der Sender den Mann. "Wenn er für schuldig befunden wird, werde ich derjenige sein, der den Schalter umlegt", sagte er. "Wenn das wahr ist, was ich höre, muss er dafür bezahlen."
Bei der ersten Anhörung des Angeklagten vor einem Richter kamen unterdessen auch Angehörige der Opfer zu Wort. In emotionalen Ansprachen sprachen sie den mutmaßlichen Attentäter direkt an. "Jede Faser meines Körpers schmerzt, und ich werde nie mehr dieselbe sein", sagte etwa eine Frau, die ihren 26-jährigen Sohn verloren hat. "Er war mein Held." Einige Angehörige sagten, sie würden dem Angeklagten vergeben. "Der Hass wird nicht gewinnen", sagte die Enkelin eines der Opfer.