Panorama

Italienische Armee gefordertKlimawandel legt gefährliche Munition aus Erstem Weltkrieg frei

27.10.2026, 12:14 Uhr
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Manche Sprengsätze waren bereits detoniert, andere sind auch über 100 Jahre später noch scharf. (Foto: Ministero della Difesa)

Der heiße Sommer hat in den Alpen viel Schnee schmelzen lassen. Das sorgt dafür, dass sich immer wieder Wanderer bei der Armee melden. Sie entdecken Hunderte Granaten und andere Sprengkörper aus dem Ersten Weltkrieg.

In den italienischen Alpen sind zum Ende des Sommers Hunderte Sprengkörper aus dem Ersten Weltkrieg aufgetaucht. Das teilt die italienische Armee mit, die mit der Beseitigung der gefährlichen Funde betraut war. Es handelte sich unter anderem um italienische Artilleriegranaten und französische Mörsergranaten, teilte Gebirgsbrigade "Julia" dem "Guardian" mit. Die Munition stammt aus dem Gebirgskrieg zwischen der österreichisch-ungarischen Armee und italienischen Truppen, der sich von 1915 bis 1918 in den Dolomiten ereignete.

Der Großteil der Kriegsmunition wurde von Wanderern im Gebiet Canal San Bovo im Primiero-Tal gemeldet. Immer wieder rückten die "Julia"-Spezialkräfte der Armee in der Region Trentino-Südtirol aus, um die Sprengkörper zu beseitigen. Insgesamt 250 Kampfmittel wurden gefunden. Allein in der letzten Einsatzwoche wurden "55 Sprengkörper entschärft, darunter 18 italienische 75-mm-Artilleriegranaten und 37 Thevetot-Granaten, ein in Frankreich hergestellter Typ, der damals aber auch an die Königlich italienische Armee geliefert und im Ersten Weltkrieg eingesetzt wurde", heißt es von den Soldaten.

Die Einsätze fanden auch in den Gebieten Carè Alto und Vedretta di Lares, im Naturpark Adamello-Brenta, dem Val Martello und dem Stilfser-Joch-Nationalpark und an den Hängen des Livrio-Gletschers statt, berichtet die Zeitung "Il Dolomiti" aus der Armeemitteilung. "Das ist ganz klar eine Folge der globalen Erwärmung", sagt Stefano Morosini, Professor an der Universität Bergamo und Koordinator von Denkmalschutzprojekten im Nationalpark Stilfser Joch.

"In den letzten Jahren tauchen diese gefährlichen Artefakte jedes Jahr am Ende des Sommers auf und ihre Zahl nimmt stetig zu", weiß der Experte dem "Guardian" zu berichten. "Sie wurden über 100 Jahre lang vom Eis konserviert. Einige waren bereits explodiert, viele jedoch nicht, und so sind sie, wenn sie nun wieder auftauchen, äußerst gefährlich." Die Armee warnt deshalb eindringlich: Wanderer und Bergsteiger sollten niemals Sprengkörper berühren, egal wo sie sich befinden.

Weltkriegsbaracke aufgetaut

Andere Funde stellten sich in der Vergangenheit als harmloser heraus: Schlitten, Briefe und Tagebücher aus dem Gebirgskrieg wurden bereits perfekt konserviert gefunden. Hin und wieder kamen auch Waffen zum Vorschein, selbst eine hölzerne Baracke tauchte 2015 nach fast einem Jahrhundert auf, nachdem viel Eis geschmolzen war.

Das italienische Verteidigungsministerium spricht von "komplexen Operationen, durchgeführt inmitten schmelzender Gletscher, an steilen Hängen und in großer Höhe, wo technische Vorbereitung und Erfahrung unerlässlich sind". Bei der Räumung werden "verborgene Gefahren beseitigt" und "die Routen, die jedes Jahr von Bergsteigern, Wanderern und Touristen genutzt werden, sicherer gemacht", so das Ministerium weiter.

Die Soldaten der Gebirgsbrigade arbeiteten in den Sommermonaten mit Hubschrauberpiloten der Armee und der Feuerwehr sowie mit Beamten der Bergrettung der Carabinieri und der Finanzermittlungsbehörde zusammen. Bei den nun herrschenden kühleren Temperaturen rechnen die Einsatzkräfte vorerst nicht mit weiteren alpinen Sprengstofffunden. Doch der nächste Hitzesommer kommt bestimmt.

Quelle: ntv.de, mpa

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