Cantona als Vorbild

Als eine schwedische Legende den Derby-Gegner böse provozierte

imageVon Ben Redelings
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Glenn Strömberg genießt Kultstatus in Schweden. (Foto: IMAGO/TT)
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12.09.2026 | 08:29 Uhr
In Schweden sind die kleinen Filmchen, die eine Werbeagentur für den IFK Göteborg vor 20 Jahren produzierte, eine Legende. Damals inszenierte der Klub eine hinterlistige Kampagne vor dem Derby gegen den Lokalrivalen.

Unter Trainer Sven-Göran Eriksson hatte Glenn Strömberg damals mit seinem Verein IFK Göteborg seinen ersten großen Erfolg gefeiert. In den Finalspielen des UEFA-Cups hatte sein Team unter dem späteren Welttrainer Eriksson im Jahr 1982 gegen den Hamburger SV sensationell den Titel geholt. Es war für den Mann aus Brämaregarden, einem Stadtteil von Göteborg, der Startschuss für eine beeindruckende Karriere, die ihn noch nach Portugal zu Benfica Lissabon und nach Italien zu Atalanta Bergamo führen sollte und ihn im Jahr 1985 zum schwedischen "Fußballer des Jahres" werden ließ.

Während Strömbergs Klub seit 1976 ununterbrochen in der Allsvenskan, der höchsten schwedischen Klasse, spielt und in dieser Zeit immer mal wieder die Meisterschaft erringen konnte, ist das Leben für einen Anhänger von GAIS, dem Lokalrivalen aus Göteborg, ein ständiges Auf und Ab. Der Traditionsverein, der 1919 erstmals schwedischer Meister wurde, ist eines dieser Teams, das man vollkommen zu Recht Fahrstuhlmannschaft nennt. Doch im Spätherbst des Jahres 2005 schien endlich einmal wieder die Sonne für GAIS. In der Relegation hatte man den Aufstieg in die Allsvenskan geschafft. Die Euphorie war dementsprechend riesig bei GAIS. Denn endlich standen nun auch wieder Derbys gegen den verhassten Lokalrivalen IFK an.

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Die Vorfreude war also groß, als man sich Anfang Mai 2006 im Ullevi-Stadion vor mehr als 26.000 Zuschauern zum Hinspiel traf. Doch obwohl sich die Heimmannschaft tapfer gegen den mächtigen Konkurrenten IFK wehrte, musste man am Ende eine 1:2-Niederlage einstecken. Ein Dämpfer für die "Makrelen", wie die Mannschaft aufgrund ihrer traditionellen grün-schwarz gestreiften Trikots genannt wird. Doch der Aufsteiger schlug sich in der Liga trotzdem weiterhin wacker. Der Nicht-Abstieg, der als Ziel ausgegeben worden war, war immer noch in greifbarer Nähe.

Parodie auf Fußball-Reihe

Und auch als das Rückspiel im September anstand, war für GAIS noch alles möglich. Während man also bei den Makrelen durchaus mit einer guten Stimmung die Saison bestritt, war die Situation bei den "Änglarna", den Engeln, wie IFK seit einem großen Spiel im Frühjahr 1948 gegen den ewigen Rivalen IF Elfsborg genannt wird, eine völlig andere. Man dümpelte ambitionslos und ohne echte Chance auf den Titel im Mittelfeld herum und war möglicherweise ob dieser trüben Lage auch ein wenig angefressen. Da schien etwas Ablenkung und Vergnügen gerade recht zu kommen für den Klub und seine Fans.

Wie jedoch genau die Idee zu der legendären Werbekampagne entstand, ist heute nicht mehr mit Gewissheit zu sagen. Aber als damals das Derby kurz bevorstand, entschied man sich gemeinsam mit einer Werbeagentur, die zu dieser Zeit beliebte Serie eines großen Textilherstellers, "Joga Bonito", umzuschreiben und in "GAIS Bonito" zu taufen. Und genau bei dieser Gelegenheit kam der besagte Ex-IFK-Profi Glenn Strömberg ins Spiel. Denn eine der Hauptfiguren von "Joga Bonito" war der schillernde Eric Cantona. Und bei IFK kam für diese Rolle damals nur einer infrage, Glenn Strömberg.

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Und dann begann sie auch schon, die echt fiese Nummer, die in Schweden für eine Menge Gesprächsstoff sorgen sollte. Denn anders als in der bekannten "Joga Bonito"-Reihe, in der der Fußball in seiner ganzen Schönheit gefeiert wurde, war die Kampagne von IFK eine Parodie. Die Mannschaft von GAIS wurde dafür nach Strich und Faden veräppelt und getäuscht. Denn eines Tages war ein Kamerateam beim Training aufgetaucht und hatte erzählt, man plane mit dem Team einen kleinen, aber äußerst spektakulären Film zu drehen. Man wolle die besten Tricks der Mannschaft kompakt wie in den berühmten Werbespots zeigen.

Billiger Trick täuscht den Rivalen

Und tatsächlich legten sich die Spieler von GAIS mächtig ins Zeug. Man fuhr auf, was man an Kabinettstückchen so auf Lager hatte. Natürlich gelang dabei nicht immer alles, aber eine ganze Menge. Dumm nur, dass genau diese misslungenen Versuche das Kamerateam am meisten interessierten. Denn die Männer vom Film waren ja genau dafür vom Lokalrivalen IFK Göteborg beauftragt worden. Und als man die kleine Reihe schließlich zurechtschnitt und produzierte, hatte Strömberg die Aufgabe seine gespielte Sorge vor dem Lokalrivalen auszudrücken - doch am Ende zeigte man natürlich nur, wie die Spieler von GAIS stümperhaft versagten.

Und so lachten sich nach der Ausstrahlung der Videos schließlich Tausende von Menschen im Internet über die Vollpfosten von GAIS kaputt - die auf einen solch billigen Trick ihres Rivalen hereingefallen waren. Man kann nur erahnen, welche Wirkung die provokante Kampagne auf die Fans, Spieler und Offiziellen des vorgeführten Klubs damals hatte. Da ist es fast schon ein Wunder, dass das Derby am Ende schiedlich-friedlich mit 0:0 ausging. Wenigstens etwas Genugtuung für GAIS. Und als man schließlich kurze Zeit später auch noch die Klasse hielt, waren die bösen Videos schon gar nicht mehr ganz so schlimm.

Und auch Glenn Strömberg verziehen die Anhänger von GAIS diesen bösen Streich. Der ehemalige Spieler des Rivalen IFK Göteborg arbeitete schon vor der viralen Kampagne als TV-Experte und setzt diese Karriere bis heute fort. Seine beherzten Ausrufe während seiner Live-Kommentierungen genießen mittlerweile nicht nur in Schweden Kultstatus. Doch die Erinnerung an die hinterlistigen Filmchen von vor 20 Jahren wird wohl nicht nur bei den Fans der beiden Lokalrivalen von IFK und GAIS nie verblassen.

Verwendete Quelle: ntv.de