Superstar Canelo tritt an

Saudischer Boxmogul lässt trotz Huthi-Raketen in Riad boxen

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Trotz der Angriffe der Huthi-Miliz ist Canelo Alvarez in Riad, um zu boxen. (Foto: IMAGO/Agencia EFE)
27.10.2026 | 18:25 Uhr
Saudi-Arabien gerät immer wieder unter Beschuss der aus dem Jemen angreifenden und von Iran gesponserten Huthi-Miliz. Trotz allem soll am Wochenende ein Boxevent in Riad mit einem der größten Stars der Szene stattfinden.

Canelo Alvarez ist in Riad, ebenso sein Kumpel, Schwergewichts-König Oleksandr Usyk. Die zwei Box-Superstars lächeln, machen Fotos mit Faustkampf-Mogul Turki Al-Sheikh - ganz so, als befände sich Saudi-Arabien nicht im Krieg mit den Huthi-Rebellen, die das Königreich vom Nachbarland Jemen aus immer wieder mit Marschflugkörpern und Drohnen angreifen.

Es wirkt reichlich bizarr. Zum einen empfängt Al-Sheikh, der Chef der General Entertainment Authority von Kronprinz Mohammed Bin Salman, Alvarez und Usyk in Riad. Zum anderen teilt er in den Sozialen Medien eine Warnmeldung der saudischen Behörden samt Anleitung, wie sich Bewohner und Besucher des Wüstenstaates im Not- respektive Raketenfall verhalten sollen. "Möge Gott Riad und alle Menschen, die dort sind, schützen."

Aller Warnungen zum Trotz soll Alvarez am Samstag in der saudischen Hauptstadt gegen den Franzosen Christian Mbilli um den WM-Titel im Supermittelgewicht (bis 76,2 Kilogramm) kämpfen. Es ist der erste Auftritt des Mexikaners seit seiner überraschenden Niederlage gegen Ausnahmekönner Terence Crawford im Herbst 2025. Alvarez, wegen seines zimtfarbenen Haarschopfs nur Canelo genannt, ist noch immer einer der größten Namen im Boxen, in den USA ein weit stärkeres Pay-per-View-Zugpferd als etwa die britischen Schwergewichtler Tyson Fury und Anthony Joshua. Canelo bleibt eine der größten Cash Cows. Aber er ist auch schon 36 Jahre alt, die Karriere-Uhr tickt.

"Wie kann diese Veranstaltung nicht abgesagt werden?"

Anfang 2025 hatte Alvarez als letzter Superstar bei Al-Sheikh und der Event-Serie "Riyadh Season" unterschrieben. Vier Kämpfe für kolportiert rund 400 Millionen Dollar. Ein blendender Deal für den ehemaligen Weltmeister in vier Gewichtsklassen. Zwei Gefechte unter dem Riad-Banner hat Canelo schon absolviert - nichts deutet daraufhin, dass er vertragsbrüchig werden könnte. Ungeachtet aller Kriegswarnungen ließ der Mexikaner nie einen Zweifel aufkommen, für seinen dritten Kampf am 31. Oktober nach Riad zu reisen. Al-Sheikh liebt derartige Loyalitätsbekundungen. "Harte Zeiten offenbare wahre Freunde", schrieb er auf X. "Canelo hat sich bei mir gemeldet und mir gesagt, dass er diesen Oktober weiterhin in Riad kämpfen wird, ganz gleich, was passiert. Er fürchtet nichts."

Während dutzende andere Sportevents in Saudi-Arabien abgesagt wurden - darunter das Six Kings Slam mit Tennis-Star Alexander Zverev - hält Al-Sheikh eisern an seiner Supermittelgewichts-WM fest. Dabei ist der Kampf eigentlich keiner der Kategorie Mega-Fight, den man nicht hätte verschieben können. Will Al-Sheikh ein Zeichen setzen, dass Saudi-Arabien seine Sportevents auch in geopolitischen Krisenzeiten durchziehen kann?

Erst vor zwei Wochen kamen bei einem Huthi-Angriff auf den Flughafen Riad zwölf Menschen ums Leben, wenige Tage nach Canelos Ankunft meldeten die jemenitischen Rebellen Angriffe auf saudische Öl-Raffinerien. "Canelo hat vielleicht keine Angst, weil er auf einem Privatflughafen landet. Aber was ist mit all den anderen, die mit der Veranstaltung zu tun haben? Wie kann diese Veranstaltung nicht abgesagt werden? Das ist ein verdammt riesiges Sicherheitsproblem", wetterte der US-Promoter und frühere Weltmeister Oscar de la Hoya. Er sprach aus, was in der Boxwelt viele denken. Die Show aber geht weiter.

Verwendete Quellen: ntv.de, mar